Bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Perge im Bezirk Aksu haben Archäologen Hinweise auf ein außergewöhnliches römisches Arenasystem gefunden. Demnach wurde das ursprünglich im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtete Stadion später im römischen Zeitalter umgebaut und für öffentliche Spektakel mit wilden Tieren und Hinrichtungen genutzt.
Die Forschungen sind Teil des Projekts „Erbe für die Zukunft“ in der antiken Stadt, die auf der vorläufigen UNESCO-Welterbeliste steht. Laut den Wissenschaftlern wurde der nördliche Teil des rund 250 Meter langen Stadions durch Mauern geschlossen und in eine Arena umgewandelt, die über ein spezielles Tierfreisetzungssystem verfügte.
Dieses System funktionierte offenbar mit einer Art „Guillotine“-Tor, über das Tiere plötzlich und horizontal in die Arena gelassen wurden. Die Tiere – vermutlich zuvor in Käfigen gebracht – wurden demnach während öffentlicher Spektakel auf zum Tode verurteilte Menschen losgelassen.
Der stellvertretende Grabungsleiter Aytaç Dönmez erklärte, dass das Stadion im 3. Jahrhundert n. Chr. umfassend umgebaut wurde und nun deutlich die römische Unterhaltungskultur widerspiegele. Dabei habe man Hinweise auf sogenannte „Damnatio ad Bestias“ gefunden – Hinrichtungen, bei denen Verurteilte wilden Tieren ausgesetzt wurden.
Im Unterschied zum Kolosseum in Rom, wo Tiere vertikal aus unterirdischen Kammern in die Arena gelangten, sei das System in Perge horizontal über Tormechanismen betrieben worden. Dies habe laut Forschern einen besonders plötzlichen und dramatischen Effekt für das Publikum erzeugt.
Archäologen fanden neben baulichen Strukturen auch Keramikfragmente mit Darstellungen solcher Arenaszenen. Diese Funde stützen die These, dass das Stadion aktiv für Tierhetzen und Hinrichtungen genutzt wurde.
Während die Arbeiten im Arenabereich weitgehend abgeschlossen sind, konzentrieren sich die Forschungen nun auf den Bereich der Laufbahn. Dort wurde eine Trennstruktur entdeckt, die möglicherweise auf Wagenrennen oder kurze Rennen während der römischen Epoche hindeutet.
Forscher gehen davon aus, dass Stadien in der römischen Zeit nicht nur für sportliche Wettkämpfe, sondern auch für Gladiatorenkämpfe und Tierhatzen genutzt wurden – ähnlich wie im gesamten Römischen Reich.