An der Akdeniz-Universität wurde ein in der Türkei bislang einzigartiges Projekt gestartet: Psychiatrische Patienten verbinden dort ihre Behandlung mit praktischer Arbeit und erhalten dafür eine Vergütung. Das Programm zielt nicht nur auf therapeutische Effekte, sondern auch auf die Förderung der sozialen Teilhabe ab.

Das Programm zur Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt („Engelsiz İş Uyum Programı”) wurde in Zusammenarbeit mit der staatlichen Arbeitsagentur İŞKUR ins Leben gerufen. Seit rund drei Monaten nehmen etwa 50 Patienten und ihre Angehörigen daran teil. Ziel ist es, die Betroffenen durch Arbeit in den Alltag zu integrieren und ihnen gleichzeitig ein eigenes Einkommen zu ermöglichen.
Im Rahmen des Programms arbeiten die Teilnehmer in einem Gewächshaus der psychiatrischen Tagesklinik. Dort säen, pflanzen und pflegen sie Gemüse, das anschließend gemeinsam verarbeitet und verzehrt wird. Ergänzend besuchen sie Kurse und übernehmen Aufgaben im Klinikalltag.

Laut dem Leiter der Psychiatrie-Abteilung, Doç. Dr. Ali Erdoğan, ist dieses Projekt landesweit einzigartig: „Unsere Patienten können hier gleichzeitig behandelt werden und arbeiten. Sie verdienen eigenes Geld, sind sozial abgesichert und bleiben aktiv im Therapieprozess“, erklärte Erdoğan. Auch Angehörige wurden bewusst eingebunden, um den Rehabilitationsprozess umfassender zu gestalten.
Die ersten Ergebnisse nach wenigen Monaten stimmen die Initiatoren optimistisch. Erdoğan berichtete, dass viele Teilnehmer spürbare Fortschritte gemacht hätten. Die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen, wirkt sich demnach positiv auf das Selbstwertgefühl aus. So habe sich ein Patient von seinem ersten Lohn einen Computer gekauft – ein Moment, der die Bedeutung des Projekts verdeutlicht. Gleichzeitig wird die Belastung für Familien reduziert.

Das Programm ist zunächst auf neun bis zehn Monate angelegt. Perspektivisch sollen die Teilnehmer auch in anderen Branchen über die Arbeitsagentur eingesetzt werden. Das Ziel besteht darin, die Patienten langfristig wieder in ein eigenständiges Berufsleben zu führen.
Unterstützt wird das Projekt auch von lokalen Landwirten. Sie stellen ihr Wissen zur Verfügung und beteiligen sich aktiv an der Arbeit im Gewächshaus. Dabei kommen teilweise auch traditionelle „Erbstücke-Samen“ zum Einsatz, die über Generationen weitergegeben wurden.
Auch Angehörige berichten von positiven Veränderungen. So habe sich etwa das Selbstvertrauen eines Teilnehmers deutlich verbessert, seit er regelmäßig im Projekt mitarbeitet. Andere sprechen sogar von einem „Wendepunkt“ im Umgang mit der Erkrankung.