Antalya: Touren zu Mittelmeer-Mönchsrobbenhöhlen in Alanya sorgen für Empörung

Bilder: DHA
11.03.2026 – 12:00 Uhr

ANTALYA – In Gazipaşa bei Antalya sind Aufnahmen aufgetaucht, die zeigen, wie Touristen zu Höhlen gebracht werden, die als Lebensraum der stark bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobbe dienen. Die Bilder zeigen, wie die Tiere in ihrer Höhle erschrecken und panisch fliehen. Der Vorfall wurde der Forschungsgruppe für Mittelmeer-Mönchsrobben (SAD-AFAG) gemeldet, die den Fall an die türkische Naturschutzbehörde weitergeleitet hat.

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe zählt laut der Roten Liste der World Wide Fund for Nature zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Nachdem ihre weltweite Population in früheren Jahren auf etwa 700 Tiere gesunken war, leben sie heute nur noch in vier Regionen der Welt. Im östlichen Mittelmeer kommen sie vor allem an den Küsten der Türkei und Griechenland vor, während im östlichen Atlantik zwei weitere Populationen existieren. Dank Schutzmaßnahmen wird ihre Zahl inzwischen wieder auf rund 900 Tiere geschätzt.

Mensch als größte Gefahr

Die größte Bedrohung für die Tiere geht laut Experten vom Menschen aus. Besonders häufig verenden die Robben, wenn sie sich in Fischernetzen verfangen und ertrinken. Weitere Ursachen sind direkte Störungen durch Menschen oder Krankheiten. Rund drei Viertel der Todesfälle werden auf menschliche Einflüsse zurückgeführt.

Höhlen als Touristenattraktion vermarktet

Ein aktueller Vorfall in der Region Gazipaşa-Alanya zeigt, wie stark menschliche Aktivitäten die Tiere beeinträchtigen können. In einer geschlossenen Gruppe eines Messenger-Dienstes wurden Videos veröffentlicht, die offenbar von einer Person stammen, die vor allem russische, aber auch andere ausländische und einheimische Touristen zu Robbenhöhlen führt.

Eine Person aus der Gruppe, die anonym bleiben wollte, meldete den Vorfall der Organisation SAD-AFAG und übermittelte die Aufnahmen. Darauf ist zu sehen, wie eine Mönchsrobbe in ihrer Höhle aufgeschreckt wird und aus Angst flieht.

„Beschämende Praxis“

In der Meldung heißt es, dass ein Mann seit etwa zwei Jahren Gruppen zu diesen Höhlen führe und die Tiere regelrecht „zur Jagd“ anbiete. Die Robben hätten sich besonders in diesem Gebiet des Kızılin-Gebirges angesiedelt. Seit der Mann die Höhlen vielen Ausländern gezeigt habe, kämen einige Besucher regelmäßig selbst dorthin zurück.

Der Hinweisgeber bezeichnete die Situation als „beschämende Praxis“ und forderte, die Höhlen dringend unter Schutz zu stellen. In der Gruppe seien sogar Kommentare aufgetaucht, in denen behauptet wurde, das Vertreiben der Robben aus den Höhlen sei hilfreich für ihre Fortpflanzung.

Behörden untersuchen den Fall

Nach der Meldung leitete der Koordinator von SAD-AFAG, Cem Orkun Kıraç, die Aufnahmen an die zuständigen Stellen der türkischen Naturschutzbehörde weiter. Diese habe inzwischen eine Untersuchung eingeleitet.

Kıraç erklärte, laut den Chatverläufen habe ein Mann namens Savaş Touristen damit geworben, ihnen Mittelmeer-Mönchsrobben zu zeigen. Dabei sei das Betreten von Robbenhöhlen laut Gesetz ausdrücklich verboten.

„Wir sprechen von einer äußerst seltenen Tierart, von der weltweit nur etwa 900 Individuen übrig sind“, sagte Kıraç. „In der Türkei kennen wir etwa 120 erwachsene Tiere, möglicherweise liegt die gesamte Population bei rund 150.“

Die Tiere seien sehr scheu und hielten sich bewusst von Menschen fern. Höhlen seien eigentlich nicht ihr natürlicher Lebensraum. „Sie ziehen sich dorthin zurück, weil der menschliche Druck so groß ist. Wenn man sie auch noch in ihren letzten Zufluchtsorten stört, gefährdet man ihr Überleben“, sagte Kıraç.

Die Behörden prüfen nun weitere Schritte gegen die Verantwortlichen.