Antalya richtet Meeresschutzgebiet ein: Keine Fischerei vor Kemer

Bilder: DHA
28.10.2026 – 17:00 Uhr

(DHA) Vor der Küste von Kemer läuft ein dreijähriges Schutz- und Restaurierungsprojekt für die Unterwasserwelt. Seegraswiesen sollen neu angelegt und künstliche Riffe als Lebensräume gefördert werden. Langfristig soll die Initiative auch neue Chancen für Tauchtourismus und Fischerei schaffen.

An der türkischen Mittelmeerküste bei Antalya hat ein neues Projekt zur Wiederherstellung geschädigter Meeresökosysteme begonnen. Im Gebiet Üç Adalar vor Kemer sollen Unterwasserlebensräume geschützt und die biologische Vielfalt gestärkt werden. Dafür wurde die Region im September unter besonderen Schutz gestellt: Jegliche Fischerei ist dort inzwischen verboten.

Das Projekt wird von der Provinzverwaltung Antalya und dem Verein Deniz Yaşamını Koruma Derneği zum Schutz des Meereslebens umgesetzt. Bei einem Ortstermin mit anschließender Presseveranstaltung informierten sich Vertreter der Behörden und der Tourismusbranche über die geplanten Maßnahmen. Taucher führten Unterwasseraufnahmen durch und begannen damit, Seegraswiesen neu anzulegen und Schutzmaßnahmen umzusetzen.

 

 

Fischereiverbot als Grundlage für die Restaurierung

Antalyas Gouverneur Hulusi Şahin betonte, dass die Wiederherstellung der Meeresnatur nur gelingen könne, wenn das Gebiet während der Arbeiten vor Fischerei und anderen menschlichen Eingriffen geschützt werde. Die entsprechende Bitte an das Landwirtschafts- und Forstministerium sei unterstützt worden; im September sei eine Verordnung zum Schutz des Gebiets veröffentlicht worden.

Innerhalb dieser Schutzzone sollen Fachleute des Meeresschutzvereins die Seegrasbestände wieder aufbauen und die Unterwasserwelt beleben. Als Vorbild dient das Projekt bei Tavşan Adası nahe Istanbul, wo der Verein bereits künstliche Riffe und Maßnahmen zur Wiederherstellung natürlicher Lebensräume umgesetzt hat.

Die Initiative soll nicht auf Üç Adalar beschränkt bleiben. Auch in anderen Küstenabschnitten Antalyas sind vergleichbare Schutzmaßnahmen vorgesehen. In Kaş hätten bereits bestehende Schutzzonen dazu beigetragen, den Tauchtourismus zu stärken, erklärte Şahin. Ein ähnliches Modell wolle man nun auch in Kemer etablieren.

Neue Perspektiven für Tourismus und Fischerei

Antalya verfügt über eine rund 640 Kilometer lange Küste. Angesichts des Ausmaßes der Schäden reichten einzelne kleine Restaurierungsmaßnahmen nicht aus, sagte Şahin. Die Arbeiten müssten deutlich ausgeweitet werden. Davon solle langfristig auch die lokale Bevölkerung profitieren – durch neue Formen des Tourismus und eine nachhaltigere Fischerei.

Eine weitere Rolle spielt das Forschungsinstitut für Fischerei und Aquakultur des Landwirtschafts- und Forstministeriums in Beymelek bei Demre. Dort sollen Seegräser unter kontrollierten Bedingungen an Land gezüchtet und anschließend ins Meer verpflanzt werden.

Projektkoordinatorin Ebru Şahin zufolge wurde die Zusammenarbeit im April angestoßen und im Juli durch ein Protokoll mit der Provinzverwaltung und dem Meeresschutzverein formalisiert. Nach der Ausweisung des Schutzgebiets am 16. September hätten die Untersuchungen vor Ort begonnen. Das auf mehrere Jahre angelegte Vorhaben solle wissenschaftlich begleitet und schrittweise auf weitere Gebiete Antalyas ausgeweitet werden.

Auch bei der UN-Klimakonferenz COP31, die Antalya ausrichten wird, soll das Projekt international vorgestellt werden. Die Region wolle damit zeigen, wie der Schutz mariner Ökosysteme mit langfristigen Perspektiven für Küstenorte verbunden werden kann.