Antalya bei Übernachtungen klar führend – Einreisedaten weichen deutlich von Hotelzahlen ab

Bild: DHA
15.07.2026 – 13:00 Uhr

Die offiziellen Grenzübertrittszahlen zeichnen ein völlig anderes Bild der türkischen Tourismuskarte als die tatsächlichen Hotelübernachtungen. Zwar reisen viele Besucher über die großen Drehkreuze ein, doch eine neue Analyse zeigt, wo die Gäste wirklich Urlaub machen – und die Differenz ist gewaltig.

Wie aus einer Auswertung der Plattform Turizm Databank des Analysten Erol Karabulut hervorgeht, klaffen die vom Kultur- und Tourismusministerium veröffentlichten Einreisezahlen an den Grenzen und die Daten des Hotelregistrierungssystems (OKS) für die ersten fünf Monate des Jahres 2026 weit auseinander. Die Statistik der Grenzübergänge wird dem tatsächlichen Reiseverhalten demnach nicht gerecht.

Betrachtet man allein die Einreisen, dominieren neben den Metropolen Istanbul, Antalya und Muğla vor allem Grenzstädte wie Edirne, Artvin, Şırnak und Kilis die Rangliste der Top-20-Provinzen. Ein völlig anderes Bild ergibt sich jedoch bei den Übernachtungszahlen: Hier führen ebenfalls Antalya, Istanbul und Muğla, gefolgt von klassischen Ferien- und Kulturdestinationen wie Aydın, İzmir, Nevşehir und Denizli.

Besonders deutlich wird die Diskrepanz am Beispiel Kappadokiens. In der Provinz Nevşehir wurden den Grenzdaten zufolge lediglich 439 ausländische Besucher registriert. Die Hotelbuchungen wiesen für denselben Zeitraum hingegen mehr als 330.000 Touristen aus. Die Reisenden gelangen offenbar über die Flughäfen Istanbul oder Antalya ins Land und fliegen anschließend mit Inlandsverbindungen weiter. Ähnliche Verschiebungen werden aus Denizli (Pamukkale), Mardin und Adıyaman gemeldet.

Die Analyse offenbart zudem eine dramatische Verschiebung der Marktanteile. Laut den reinen Grenzeintritten beträgt Antalyas Anteil am Türkei-Tourismus lediglich 21,3 Prozent. Berücksichtigt man jedoch die tatsächlich getätigten Übernachtungen, schnellt der Wert auf 44,2 Prozent hoch. Istanbul hingegen büßt nach dieser Berechnung massiv an Gewicht ein. Sein Anteil sinkt von 45,7 Prozent bei den Einreisen auf 33,5 Prozent bei den Übernachtungen. Die Urlaubsregion Muğla steigert ihren Anteil dagegen von 3,9 auf 6,9 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen fordern Branchenexperten ein Umdenken. Für eine fundierte Bewertung der Tourismusentwicklung und solide Investitionsentscheidungen dürfe man sich nicht länger vorrangig auf die Einreisestatistik verlassen. Insbesondere für Regionen mit hoher Bettenkapazität wie Alanya und Antalya ist der OKS-Datensatz, der die tatsächliche Aufenthaltsdauer abbildet, die entscheidende Planungsgrundlage.