Antalya – Die berühmten Steilklippen der türkischen Mittelmeermetropole stehen zunehmend unter Druck: Illegale Bauwerke, Eingriffe in die Natur und kommerzielle Nutzung bedrohen eines der markantesten Landschaftsmerkmale der Region. Nun greifen die Behörden durch – mit ersten Konsequenzen.
Nach umfassenden Untersuchungen entlang der rund neun Kilometer langen Felsküste im Bezirk Muratpaşa wurden insgesamt 26 unerlaubte Eingriffe festgestellt. Die Bandbreite reicht von einfachen Behausungen über aufwendig konstruierte Plattformen bis hin zu Aufzügen, Treppenanlagen und sogar Tunneln im Gestein.

Für 16 dieser Fälle wurde inzwischen der Abriss beschlossen. Sechs davon gehen noch einen Schritt weiter: Hier wurden zusätzlich strafrechtliche Schritte eingeleitet. Acht weitere Fälle stehen noch zur Entscheidung durch eine zuständige Kommission.
Die betroffenen Bereiche liegen in streng geschützten Zonen, darunter „absolut zu schützende sensible Gebiete“ sowie Natur- und Küstenschutzareale. Entsprechend schwer wiegen die Verstöße gegen Bau-, Küsten- und Naturschutzgesetze.
Besonders brisant: Auch touristische Einrichtungen sind betroffen. In einem Fall wurde die sogenannte „Bau-Registrierungsbescheinigung“ eines Hotels rückwirkend aufgehoben. Gleichzeitig gibt es aber auch Ausnahmen – ein Projekt wurde vollständig genehmigt, ein weiteres entspricht laut Behörden den geltenden Schutz- und Bebauungsplänen.
Experten warnen seit Jahren vor den Folgen solcher Eingriffe. Der Bauingenieur Prof. Dr. Nihat Dipova betont die Einzigartigkeit der Felsen: Es handle sich um seltene Tuffsteinformationen, die weltweit kaum vorkommen. Eingriffe wie Metallkonstruktionen könnten durch Korrosion langfristig das empfindliche Ökosystem schädigen.
Neben der geologischen Bedeutung beherbergen die Klippen auch eine vielfältige Tierwelt – von Vögeln über Fledermäuse bis hin zu seltenen Mittelmeer-Mönchsrobben. Jede bauliche Veränderung greife somit auch in ein sensibles Habitat ein.
Dipova plädiert daher für eine noch strengere Schutzkategorie: Die Anerkennung als „Geosit“ könnte helfen, die einzigartige Landschaft langfristig zu bewahren.
Die aktuellen Maßnahmen der Behörden könnten ein erster Schritt sein – doch der Konflikt zwischen Naturschutz und Nutzung dürfte Antalya noch länger beschäftigen.