Im historischen Zentrum von Antalya, Kaleiçi, hat die Umsetzung eines Beschlusses zum Schutz des Stadtbildes begonnen. Betroffen sind Markisen, Sonnensegel, Werbeschilder sowie Waren und Möbel, die vor Geschäften aufgestellt wurden. Die Entscheidung stammt vom Antalya Kültür Varlıklarını Koruma Bölge Kurulu (Regionale Denkmalschutzbehörde) und wird durch die Muratpaşa Belediyesi kontrolliert und durchgesetzt.
Umfang der Maßnahmen
Laut dem Beschluss vom Oktober 2024 sollen:
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an Fassaden montierte Markisen und Überdachungen entfernt werden,
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Tische, Stühle, Verkaufstheken, Kühlschränke, Blumenständer und Werbeaufsteller im öffentlichen Raum beseitigt werden,
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sämtliche ungenehmigten Nutzungen, die das historische Erscheinungsbild beeinträchtigen oder den Fuß- und Fahrzeugverkehr behindern, unverzüglich beendet werden.
In Kaleiçi gibt es über 1.000 Betriebe – darunter Hotels, Pensionen, Bars, Cafés, Restaurants, Textil- und Souvenirläden sowie kleine Supermärkte. Die Gewerbetreibenden wurden vor zwei Wochen informiert und erhielten eine Frist von 15 Tagen zur Umsetzung. Viele Geschäftsinhaber haben inzwischen ihre Markisen abmontiert und Waren ins Innere verlagert.
Händler fordern praktikable Lösungen
Zahlreiche Geschäftsleute kritisieren jedoch, dass die Maßnahmen ohne begleitendes Konzept umgesetzt würden. Viele Läden verfügten über keine klassischen Schaufenster. Die Verkaufsflächen seien klein, weshalb Produkte bislang im Außenbereich präsentiert wurden. Ohne sichtbare Auslagen sei für Touristen oft nicht erkennbar, was angeboten werde.
Besonders problematisch sei zudem das Klima in Antalya: Starke Sonneneinstrahlung und Regen machten Markisen für den Schutz der Eingänge und Waren erforderlich. Einige Händler befürchten Umsatzeinbußen und wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Vorschlag nach dem „Venedig-Modell“
Der Verband Antalya Turistik Otelciler ve Pansiyoncular Birliği (ANTOB) hat angekündigt, einen Lösungsvorschlag vorzulegen. Verbandspräsident Alp Özel verweist auf internationale Beispiele wie Venedik. Dort gebe es klar definierte Geschäfts- und Kulturachsen, auf denen Schaufensterlösungen erlaubt seien, ohne das historische Gesamtbild zu beeinträchtigen.
Ein entsprechender Bericht soll der Provinzverwaltung, den Kommunen und der Denkmalschutzbehörde vorgelegt werden. Ziel sei es, den Schutz des kulturellen Erbes mit den wirtschaftlichen Interessen der lokalen Betriebe in Einklang zu bringen.
Zwischen Denkmalschutz und Existenzsorgen
Während die Behörden argumentieren, dass die Maßnahmen notwendig seien, um die historische Bausubstanz sichtbar zu machen und das traditionelle Stadtbild zu bewahren, warnen Händler vor existenziellen Folgen.
Viele wünschen sich eine klare, gemeinsam erarbeitete Regelung – etwa einheitliche, genehmigte Markisen- und Präsentationsmodelle – statt eines pauschalen Verbots.
Wie die endgültige Lösung aussehen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Konflikt zwischen Denkmalschutz und wirtschaftlicher Nutzung prägt derzeit die Diskussion im Herzen von Antalya.