Ein einzigartiges Naturschutzprojekt an der türkischen Mittelmeerküste hat einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht: In 32 Jahren ununterbrochener Arbeit wurden am Strand von Belek mehr als 1,5 Millionen Jungtiere der gefährdeten Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) sicher ins Meer gebracht. Insgesamt schlüpften die Tiere aus 44 839 registrierten Nestern, wie die Projektverantwortlichen zum Start der neuen Nistsaison mitteilten.
Das Schutzprogramm wurde 1994 von der Beleker Vereinigung der Tourismusinvestoren (BETUYAB) initiiert und wird seit 1998 in Kooperation mit der Gesellschaft für Ökologische Forschung (EKAD) durchgeführt. Der 29,3 Kilometer lange Sandstrand des Urlaubsortes in der Provinz Antalya gilt aufgrund seiner Nistdichte als das bedeutendste Brutgebiet der Tiere im gesamten Mittelmeerraum.
Die Anfänge waren bescheiden: Im ersten Jahr konnten die eingesetzten Teams lediglich 68 Nester identifizieren. In den folgenden drei Jahren stieg die Zahl langsam auf 150, 153 und 168 Nester an. In dieser Anfangsphase von 1994 bis 1997 erreichten rund 18.000 Jungtiere das offene Meer, die aus 539 Nestern geschlüpft waren. Heute zählt der Verein EKAD unter der Leitung des Biologen Dr. Ali Fuat Canbolat von der Hacettepe-Universität jährlich Tausende Nester. Allein in den vergangenen 27 Jahren, in denen EKAD die Hauptverantwortung trägt, hat der Verein 44.300 Nester und 1.495.125 Jungtiere dokumentiert.
Ali Özdoğan, der Präsident von BETUYAB, bezeichnete das Projekt als Vorzeigemodell für nachhaltigen Tourismus. Die Unechte Karettschildkröte sei ein zentraler Bestandteil des natürlichen Erbes der Region. Während das Bewusstsein für den Artenschutz in den 1990er Jahren noch gering war, hat sich durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaftlern, Hotelanlagen und der Bevölkerung entwickelt. „Unsere Gäste aus aller Welt entscheiden sich ganz bewusst für Belek, weil sie ihren Urlaub in einer Region verbringen möchten, in der diese Tiere leben und aktiv geschützt werden”, erklärte Özdoğan. Dies stärke die internationale Markenposition des Reiseziels erheblich.
Auch EKAD-Leiter Dr. Canbolat betonte die historische Dimension des Engagements. Er erinnerte an den verstorbenen BETUYAB-Generaldirektor Bekir Akkaş, der die Bedeutung der Reptilien für die touristische Entwicklung der Region bereits früh erkannt hatte. In den ersten Jahren kannten die Einheimischen die Schildkröten zwar, waren sich der akuten Gefährdung der Art – sie steht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) – aber nicht bewusst. „Diese Langfristigkeit ist eine Besonderheit. Mir ist in der Türkei kein anderes Naturschutzprojekt bekannt, das über einen so langen Zeitraum ohne Unterbrechung fortgeführt wird“, sagte Canbolat.
Die neue Nistsaison 2026 hat in Belek Mitte Mai offiziell begonnen. Bis Ende September werden die EKAD-Teams wieder die Gelege erfassen, sie vor natürlichen Feinden und touristischen Störungen schützen und den schlüpfenden Jungtieren den Weg ins Mittelmeer sichern.