Angesichts anhaltender Trockenheit und zunehmender Wasserknappheit prüft die westtürkische Millionenstadt Izmir die Methode des sogenannten Cloud Seeding, also die künstliche Auslösung von Regen. Die Stadtverwaltung hat dazu einen Antrag beim türkischen Umweltministerium eingereicht.
Bürgermeister Cemil Tugay erklärte, das Ziel dieser Maßnahme sei es, vorhandene Wolken gezielt zu beeinflussen, um die Niederschlagsmenge zu erhöhen. Laut der Stadt könne diese Technik den Regen theoretisch um bis zu 25 Prozent steigern. Zugleich räumte Tugay ein, dass es derzeit in der Türkei kein Unternehmen gebe, das für die Durchführung dieses Verfahrens zugelassen oder technisch ausgestattet sei.
Das Ministerium habe laut dem Bürgermeister signalisiert, dass die Verantwortung bei der Stadt liege. Die Stadt İzmir prüfe daher die Zusammenarbeit mit einem ausländischen Anbieter. Eine Umsetzung komme jedoch erst infrage, wenn alle rechtlichen und technischen Voraussetzungen erfüllt seien.
Die drittgrößte Stadt des Landes leidet seit Jahren unter den Folgen des Klimawandels. Sinkende Niederschläge und steigende Temperaturen haben die Wasserreserven stark belastet. Die Füllstände der Stauseen, aus denen die Stadt versorgt wird, fielen wiederholt auf kritische Werte. Seit dem vergangenen Sommer kam es zudem mehrfach zu geplanten und ungeplanten Wasserabschaltungen.
Cloud Seeding ist eine umstrittene Methode der Wetterbeeinflussung. Dabei werden Substanzen von Flugzeugen oder bodengestützten Anlagen in feuchte Wolken eingebracht, um die Bildung von Niederschlag zu fördern. Ob das Verfahren unter den klimatischen Bedingungen der Region wirksam wäre, ist jedoch unklar.
Deutliche Kritik kommt aus der Wissenschaft. So bezeichnete der Umweltforscher Prof. Dr. Doğan Yaşar von der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA) das Vorhaben als „unwissenschaftlich“ und „wirkungslos“. Die Debatte über Nutzen und Risiken dieser Technik dürfte damit weiter an Fahrt gewinnen.