Das im Westen der Türkei gelegene Dorf Lübbey im Bezirk Ödemiş der Provinz İzmir soll aus seinem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf geholt und zu einer neuen Tourismusattraktion entwickelt werden. Das fast vollständig verlassene Dorf wird wegen seiner verlassenen Häuser und der stark geschrumpften Bevölkerung seit Jahren als „Geisterdorf“ bezeichnet.
Heute leben in der Siedlung, die rund 10 Kilometer vom Stadtzentrum Ödemiş entfernt liegt, nur noch drei Haushalte. Die massive Abwanderung begann über Jahre hinweg aufgrund fehlender Infrastruktur, insbesondere weil Strom- und Wasserversorgung zunächst andere, nahegelegene Siedlungen erreichten.
Lübbey blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die hellenistische Zeit reicht. Besonders auffällig ist die traditionelle Architektur mit Steinhäusern, Lehm- und Holzbauweisen aus der osmanischen Zeit. Insgesamt umfasst das Gebiet 44 Beispiele ziviler Architektur sowie vier denkmalgeschützte Bauwerke und steht unter Schutz des türkischen Kultur- und Tourismusministeriums.
Trotz seines verlassenen Erscheinungsbildes soll das Dorf nun gezielt wiederbelebt werden. İzmir-Gouverneur Süleyman Elban betonte bei einem Besuch vor Ort, dass Lübbey durch die Aufnahme in die Kulturroute „Efeler Yolu“ bereits neue Aufmerksamkeit erhalten habe. Gleichzeitig laufen Restaurierungsarbeiten, unter anderem an der historischen Moschee des Dorfes, die in Kürze abgeschlossen werden sollen.
Elban wies zudem darauf hin, dass viele der früher kursierenden Geschichten über ein „Geisterdorf“ nicht der Realität entsprächen. Die Aufgabe des Dorfes sei vielmehr auf infrastrukturelle Probleme zurückzuführen. Mit der Rückkehr von Strom- und Wasserversorgung sowie dem geplanten Ausbau der Kanalisation solle das Gebiet wieder attraktiv werden.
Auch lokale Behörden sehen Potenzial in der Wiederbelebung. Teile der historischen Bausubstanz werden bereits restauriert, während weitere Häuser von Investoren oder neuen Eigentümern übernommen und instand gesetzt werden sollen.
Nach Angaben der Behörden fanden in der Region bereits Dreharbeiten für Dokumentationen und Filme statt. Zudem arbeiten Wissenschaftler an Studien zur Geschichte des Ortes, der auch im Zusammenhang mit dem türkischen Unabhängigkeitskrieg eine besondere Rolle gespielt haben soll.
Insgesamt soll Lübbey mit seinen rund 100 Häusern schrittweise wieder zu einem lebendigen Ort werden – als Verbindung von Geschichte, Natur und Kulturtourismus.