Türkei: Antikes “Parlament” von Aigai in Manisa soll 2026 geschützt und restauriert werden

Bilder: DHA
14.02.2026 – 19:00 Uhr

MANİSA – In der antiken Stadt Aigai im Yunusemre-Distrikt von Manisa hat die archäologische Forschung nach insgesamt 11 Jahren Ausgrabungen ein rund 2.200 Jahre altes Volkstagsgebäude (Bouleuterion) freigelegt. Nun beginnt die nächste Phase: die Konservierung und Restaurierung des gut erhaltenen Bauwerks.

Der Grabungsleiter Prof. Dr. Yusuf Sezgin betonte, dass das Bouleuterion nicht nur architektonisch, sondern auch wegen der darin gefundenen Artefakte von großer Bedeutung sei. „Ein so gut erhaltenes Versammlungsgebäude ist in Westanatolien äußerst selten“, sagte Sezgin.

Bedeutendes Zentrum antiker Demokratie

Aigai, eine der zwölf Aiol-Städte in Westanatolien, liegt im Gebiet von Yuntdağıköseler und ist rund 2.700 Jahre alt. In der aktuellen Ausgrabungssaison 2025 wurde das Bouleuterion vollständig freigelegt. Das Gebäude aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. bietet Platz für etwa 200 Personen und gehört zu den am besten erhaltenen antiken Volksversammlungsstätten.

Sezgin erläuterte, dass die Ausgrabungen 2004 genau an dieser Stelle begannen – dem Ort, an dem das Bouleuterion heute steht. Damals war nicht einmal bekannt, dass es sich um ein Versammlungsgebäude handelt. Das Gelände war von Sträuchern, Gestrüpp und Steintrümmern überwuchert. In insgesamt elf Grabungsjahren gelang es, das Bauwerk vollständig zu enthüllen.

„Fast direkte Demokratie“

Der Archäologe erklärte, dass Aigai in der Antike eine Polis, also eine Stadtstaat, war. „Heute stehen wir auf einem ländlichen Höhenzug – damals wurden hier politische Entscheidungen getroffen. Vor etwa 2.200 Jahren fasste die Bevölkerung ihre Beschlüsse in diesem Gebäude. Dieses System ähnelt einer fast direkten Demokratie“, so Sezgin.

Wichtige Funde im Bauwerk

Bei den Ausgrabungen wurden auch bedeutende Funde entdeckt, darunter Objekte, die der Göttin Hestia zugeordnet werden, sowie Ehrungsstatuen einer Familie, die den Bau errichten ließ. „Das macht das Bouleuterion nicht nur architektonisch, sondern auch wegen seiner Funde besonders wertvoll“, sagte Sezgin.

Schutz- und Restaurierungsphase startet 2026

Nach Abschluss der Ausgrabungen beginnt nun die zweite Phase: Schutz und Restaurierung. Sezgin kündigte an, dass die entsprechenden Projekte bereits vorbereitet werden und die notwendigen Genehmigungen vorliegen. „Wir planen, 2026 mit den Arbeiten zu beginnen. Ziel ist es, das Gebäude mit einem Dach zu schützen und das Innere mit Repliken der Statuen zu rekonstruieren. So wollen wir Besuchern die Funktionsweise einer antiken Volksversammlung näherbringen“, erklärte er.

Die erste Restaurierungsphase soll etwa ein Jahr dauern. Nach Klärung der Kosten soll auch nach Sponsoren gesucht werden.

Hoher Erhaltungszustand

Ein weiterer Vorteil des Fundortes ist die abgelegene Lage: Die antike Stadt liegt weit entfernt von modernen Siedlungen und blieb daher weitgehend unbeschädigt. „Das Bouleuterion steht zu fast 80 Prozent in originalem Zustand. Sitzreihen und architektonische Elemente können mit kleinen Eingriffen wiederhergestellt werden“, sagte Sezgin.