Archäologen haben bei Ausgrabungen in Liman Tepe in der westtürkischen Provinz İzmir ein fast 5.000 Jahre altes Entwässerungssystem entdeckt. Die aus Steinkanälen bestehende Anlage sollte vermutlich Regenwasser ableiten und gehört zu den seltenen Funden dieser Art in der Ägäis.
Ein 35-köpfiges Forschungsteam untersucht derzeit die archäologische Stätte im Bezirk Urla, um die rund 7.000-jährige Geschichte der Region zu erforschen. Die Arbeiten finden sowohl an Land als auch unter Wasser statt. Der Hafen von Liman Tepe wird bereits seit dem Jahr 2000 archäologisch untersucht.
Steinkanäle leiteten vermutlich Regenwasser ab
In diesem Jahr konzentrieren sich die Forscher unter anderem auf Straßen, sogenannte „Langhäuser“, Befestigungsanlagen und das Wassersystem der rund 5.000 Jahre alten Siedlung. Unter Wasser wird zudem die Geschichte der Wellenbrecheranlage des antiken Hafens untersucht.
Vasıf Şahoğlu, Leiter des Zentrums für Unterwasserarchäologische Forschung und Anwendung der Universität Ankara sowie Direktor der Ausgrabungen in Liman Tepe, erklärte, dass die Grabungen bereits seit 1992 laufen.
Zu den auffälligsten Entdeckungen dieses Jahres zählt laut Şahoğlu das Wassersystem. Die Archäologen fanden zwischen Terrassen auf unterschiedlichen Höhen angelegte Kanäle aus Steinen.
Die Anlage habe vermutlich nicht der Trinkwasserversorgung gedient. Da die Kanäle zur Mitte der Siedlung hin tiefer würden, gehen die Forscher davon aus, dass Regenwasser gezielt an einen bestimmten Ort geleitet wurde.
Şahoğlu zufolge ist über solche Entwässerungssysteme im westlichen Anatolien bislang wenig bekannt. Auch in der Ägäis gebe es nur sehr wenige vergleichbare Beispiele. Die Anlage soll deshalb noch eingehender untersucht werden.
Neue Erkenntnisse über die Langhäuser
Auch zu den sogenannten Langhäusern konnten die Archäologen neue Erkenntnisse gewinnen. An den Eingängen wurden große Keramikgefäße entdeckt, die fest im Boden verankert waren.
Nach Einschätzung der Forscher könnten die Gefäße zur Aufbewahrung von Wasser, Getreide oder anderen Waren gedient haben. Aus den Behältern entnommene Proben sollen nun von Spezialisten untersucht werden.
Die bei den Ausgrabungen freigelegten Langhäuser gehören laut Şahoğlu zu den größten bekannten Gebäuden dieser Art in der Ägäis. Sie wurden demnach nicht nur für das tägliche Leben, sondern auch für Produktionszwecke genutzt.
Bedeutendes Handelszentrum der Ägäis
Liman Tepe war nach Angaben von Şahoğlu über Jahrtausende hinweg eines der bedeutenden Zentren des Seehandels in der Ägäis.
Bei den Ausgrabungen wurden zudem Keramikfragmente entdeckt, die den Kykladeninseln zugeordnet werden konnten. Solche Funde seien bislang nur an sehr wenigen archäologischen Stätten in Anatolien nachgewiesen worden.