Korallenlebensräume in Ayvalık durch Klimastress bedroht

01.05.2026 – 15:00 Uhr

Die einzigartigen Korallen- und Korallenalgen-Habitate im Ayvalık-Naturpark in der nordwesttürkischen Provinz Balıkesir geraten zunehmend unter Druck. Laut Meeresforschern sind die artenreichen Unterwasserökosysteme durch Umweltbelastungen und unzureichenden Schutz gefährdet.

Eine zweijährige Studie unter der Leitung von Nur Eda Topçu Eryalçın von der Fakultät für Aquatische Wissenschaften der Universität Istanbul untersuchte sogenannte „korallogene“ Lebensräume – komplexe, riffähnliche Strukturen aus kalkbildenden Algen – an neun Standorten in Tiefen zwischen 30 und 42 Metern. Dabei wurden 82 Arten nachgewiesen, was die hohe Biodiversität der Region bestätigt.

Die Forscherin beschreibt diese Lebensräume als „Unterwasser-Regenwälder“, die zahlreichen Meereslebewesen Schutz, Brut- und Aufzuchtgebiete bieten und zugleich als Kohlenstoffspeicher fungieren.

Trotz ihres Schutzstatus ist das Gebiet weiterhin verschiedenen menschlichen Einflüssen ausgesetzt. Fischerei, Ankern, Tauchtourismus und Verschmutzung beeinträchtigen das Ökosystem spürbar. In einigen Bereichen wurden zudem erhöhte Sedimentwerte festgestellt, die Meereslebewesen bedecken und die Lebensräume schwächen.

Besonders wichtig seien sogenannte Gorgonien-Korallen, die baumartige Strukturen bilden und zur Artenvielfalt beitragen. Diese seien im östlichen Mittelmeer selten und machten Ayvalık zu einem ökologisch besonders wertvollen Gebiet.

Kritisiert wird jedoch das fehlende oder unzureichend umgesetzte Management der Meeresgebiete. Während der Schutz an Land effektiv sei, fehle es im Meer an klarer Zuständigkeit und Kontrolle. Rechtlicher Schutz allein reiche nicht aus, so die Forscherin, die auf europäische Schutzgebiete als Vorbild verweist.