WM 2026: Türkei vor Paraguay-Duell unter Druck – Verbandschef entschuldigt sich und attackiert Fatih Terim

16.06.2026 – 13:00 Uhr

Vor dem richtungsweisenden zweiten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gegen Paraguay hat sich der Präsident des türkischen Fußballverbands (TFF), İbrahim Hacıosmanoğlu, offiziell für die Auftaktniederlage gegen Australien entschuldigt. Zugleich sorgte er mit einer persönlichen Attacke gegen die Trainerlegende Fatih Terim für erhebliche Unruhe im Umfeld der Nationalmannschaft.

Die türkische Auswahl bestreitet ihr zweites Spiel in der Gruppe D am kommenden Samstag. Am Montag begann das Team von Vincenzo Montella im Athletic Grounds in Arizona mit den Vorbereitungen auf die Partie. Die ersten 15 Minuten des Trainings waren für Medienvertreter geöffnet, anschließend wurde die Taktik für das Paraguay-Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit einstudiert.

Vor dem Training bezog der Verbandsboss gegenüber Journalisten Stellung zur prekären sportlichen Lage. Mit ungewohnt demütigen Worten richtete er sich an die Anhänger im Heimatland: „Millionen von Menschen sind in der Türkei frühmorgens aufgestanden, haben die Plätze gefüllt und uns vor den Fernsehern verfolgt. Wir hätten sie mit einem Sieg in Euphorie versetzen müssen. Dass wir sie enttäuscht haben, schmerzt zutiefst. Ich entschuldige mich im Namen der Mannschaft bei unserer Nation.“ Zugleich verwies Hacıosmanoğlu auf eine historische Hypothek, betonte jedoch, dass diese keine Rechtfertigung sei: „Wir sind neun Mal bei großen Turnieren gestartet und haben acht Mal mit einer Niederlage begonnen. Das ist keine Entschuldigung, aber es ist die Realität.“ Er rief zur Geschlossenheit auf und mahnte mit Blick auf die verbleibenden Spiele: „Gewinnen wir die beiden Partien, haben wir immer noch die Chance auf das Weiterkommen.“

Für die größte Resonanz sorgte Hacıosmanoğlus Replik auf die kritischen Aussagen des ehemaligen Nationaltrainers Fatih Terim, der in der türkischen Öffentlichkeit den Beinamen „Imperator“ trägt. Während er sich bei Şenol Güneş für dessen Anmerkungen bedankte, griff er Terim ungewöhnlich scharf an. Hacıosmanoğlu ließ keinen Zweifel daran, dass er Terims Tonfall als unangemessen empfindet: „Sein Verhalten steht einem ‚Imperator‘ nicht zu Gesicht. Von einer solchen Instanz erwartet man Weisheit und Haltung, nicht versteckte Drohungen.“ Terim hatte nach dem Spiel gegen Australien offenbar weitere Enthüllungen angekündigt und gemeint, in Kürze würden Fragen zu klären sein. Dazu sagte der TFF-Präsident aufgebracht: „Von wem willst du Rechenschaft verlangen? Sag es konkret, damit die Leute sich vorbereiten können. Von den Spielern? Vom Trainerstab? Oder von mir? Das ist nicht der Ort für unbestimmte Abrechnungen.“ Er fügte hinzu, dass die jungen Spieler keinerlei Verantwortung für die Altlasten im türkischen Fußball trügen.

Mit Blick auf mögliche personelle Konsequenzen blieb der Verbandschef vage, schloss jedoch nichts aus: „Wer auch immer die Rechnung zu begleichen hat – mich eingeschlossen –, wird dies zum gegebenen Zeitpunkt tun.“ Die Nationalelf setzt ihre Vorbereitung am morgigen Mittwoch um 4:15 Uhr deutscher Zeit mit einer weiteren Trainingseinheit fort.