Vor dem Nations-League-Spiel der türkischen Nationalmannschaft gegen Italien hat Trainer Vincenzo Montella auf die anhaltende Kritik an seiner Mannschaft reagiert. Grundsätzlich sei er offen für konstruktive Anmerkungen, sagte Montella am Montag in Bologna. „Ich kenne die Dynamiken des Fußballs sehr gut und bin immer bereit, Kritik anzunehmen. Ich höre mir nur keine unlogischen Kommentare an.“ Er sei ein Mensch, der zuhöre, wenn die Kritik sachlich sei.
Montella betonte zudem, dass die Türkei erstmals in der Geschichte in der A-Liga der Nations League spiele. „Das haben wir gemeinsam erreicht. Wir kämpfen mit sehr wichtigen Ausfällen.“ Die Leistungen gegen Frankreich, in der zweiten Halbzeit gegen Italien und in Belgien seien wichtig gewesen. „Aber wir wollen nicht verlieren, daran soll niemand zweifeln.“
Mit Blick auf die jüngste Torflaute sagte der Italiener: „Der Kern des Fußballs ist es, Tore zu erzielen. In diesen Spielen haben wir das nicht geschafft.“ Beim Spiel in Belgien sei seine Mannschaft 42 Mal in den gegnerischen Strafraum eingedrungen, ohne zu treffen. „So etwas passiert manchmal. Es tut mir weh, wenn es schwere, ungerechte Kritik an unseren Spielern gibt. Sie können davon beeinflusst werden.“ Er verwies auf eine frühere Pressekonferenz, bei der ihm ein 31-jähriger Stürmer aus der dritten Liga empfohlen worden war. „Man muss ausgewogene Kritik üben und nicht vergessen, dass Fußballer auch nur Menschen sind wie wir.“
Zur aktuellen Situation in der Nations League sagte Montella, die Bilanz sei nicht zufriedenstellend. „Wir wollen gewinnen. Auch wenn wir auf diesem Niveau zum ersten Mal spielen, wollen wir gewinnen.“ Auf diesem Level fehle es der Türkei als Nation an Routine. „Wir sammeln Erfahrungen und arbeiten jedes Mal noch härter, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Ich hoffe, dass uns das morgen gelingt.“
Auf die Frage nach möglichen Änderungen in der Startelf angesichts des Fehlens von Arda Güler antwortete Montella, dass mehrere Leistungsträger nicht zur Verfügung stünden. „Leider fehlt Arda. Er hat die ersten drei Spiele sehr gut gemacht. Auch Kenan und Hakan fehlen. Hakan ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, einer, der alles für uns auf sich nimmt. Auch Barış, Orkun und Mert stehen nicht zur Verfügung.“ Man könne die Situation jedoch nutzen, um neue Gesichter zu sehen und ihnen Erfahrung zu ermöglichen. „Dabei werden wir mit Selbstvertrauen auf dem Platz stehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir morgen ein gutes Ergebnis erzielen werden.“
Auf die Frage nach möglichen Nachwirkungen der Weltmeisterschaft sagte Montella, es sei möglich, dass die Mannschaft noch immer unter dem Eindruck des Turniers stehe. Vor der WM seien wichtige Spieler gerade erst von Verletzungen zurückgekehrt. „Die Atmosphäre um uns herum ist noch immer traurig. Wir waren auch sehr traurig.“ Man habe es bis zum Schluss versucht, aber es habe nicht gereicht. „Natürlich können wir noch unter dem Einfluss stehen, aber im Gespräch mit meinen Spielern betrachten wir es als Erfahrung, die uns nach vorne bringen muss.“
Auf die Frage, was er bedauern würde, wenn das Spiel gegen Italien sein letztes als türkischer Nationaltrainer wäre, sagte Montella, er konzentriere sich ganz auf seine aktuelle Aufgabe. „Als Profi halte ich meinen Willen zu gewinnen und meine Arbeitslust lebendig. Ich kann sagen, dass mein Herz rein ist. Ich spreche nicht über meine Zukunft, sondern fokussiere mich immer auf die Gegenwart. Ich stecke meine ganze Energie in die Mannschaft, um jedes Mal besser zu werden. In meinem Kopf ist nur die Nationalmannschaft.“
Nationalspieler Ozan Kabak sagte, dass sein Team die erhofften Ergebnisse in den ersten drei Gruppenspielen verpasst habe, gegen Italien aber eine Reaktion zeigen wolle. „Wir sind uns der hohen Erwartungen bewusst, aber man muss auch realistisch sein. Wir haben gegen drei schwierige Gegner gespielt. Wir haben Fehler gemacht, aber wichtig ist, daraus zu lernen und weiterzumachen.“ Man wolle mit einer guten Leistung nach Hause zurückkehren. „Wir sind gute Spieler und haben wirklich gut trainiert. Wir wollen gegen Italien eine Reaktion zeigen, kennen aber auch ihre Stärken.“ Im Heimspiel gegen Italien sei besonders die erste Halbzeit nicht wie gewünscht verlaufen. „Aber ich glaube, dass es dieses Mal anders sein wird. Wir wollen mit einem guten Spiel und einem guten Ergebnis von hier abreisen.“
Kabak betonte zudem den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. „Unsere größte Stärke ist unsere Freundschaft, unser Zusammenhalt, unsere Familienatmosphäre. Das war auch so, als es gut lief. Jetzt läuft es schlecht, aber wir bleiben weiter vereint. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam aus dieser Situation herauskommen. Daran glauben wir alle von Herzen.“ Zur jüngsten Gegentorflut sagte der Verteidiger, man arbeite an den Problemen in der Defensive. „Wir kassieren als Defensive zu viele Tore, aber wir arbeiten daran. Im Training haben wir entsprechend taktisch gearbeitet. Ein Weg, um zu gewinnen, ist auch, keine oder wenige Tore zu kassieren. Ich hoffe, dass wir auch auf diesem Gebiet bessere Fortschritte machen.“