Nach dem überraschenden Vorrunden-Aus der türkischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft sorgt ein juristischer Vorstoß des türkischen Fußballverbandes (TFF) für Aufsehen. Wie türkische Medien berichten, hat der Verband hinter den Kulissen versucht, eine Wiederholung des entscheidenden Gruppenspiels gegen Paraguay zu erwirken.
Grundlage des Antrags war ein kurioser Vorfall in der 45. Spielminute der 0:1-Niederlage. Der bereits verwarnte paraguayische Spieler Matias Galarza soll dem Schiedsrichter Ivan Barton die heruntergefallene Armbanduhr abgenommen und sich selbst übergestreift haben. Ob und wann der Unparteiische seine Uhr zurückerhielt, ist laut türkischen Medienberichten auf den TV-Bildern nicht eindeutig zu erkennen.
Wie die Zeitung „Sabah“ berichtet, bewertete die TFF-Führung unter Präsident Ibrahim Haciosmanoğlu diesen Vorgang als möglichen Regelverstoß. Verbandsanwälte verwiesen intern auf FIFA-Statuten, wonach ein Verhalten, das die Autorität des Schiedsrichters untergräbt oder seine Spielleitung beeinträchtigt, eine Spielwiederholung rechtfertigen kann.
Haciosmanoğlu soll daraufhin eine diskrete Überprüfung angeordnet haben. Laut dem Bericht nahm der Verband Kontakt zum Fußball-Weltverband auf und informierte auch FIFA-Präsident Gianni Infantino über den Sachverhalt.
Die Hoffnungen auf eine Annullierung der Partie wurden jedoch von der FIFA enttäuscht. In ihrer Stellungnahme erkannte die zuständige Stelle zwar eine gewisse Berechtigung der türkischen Argumentation an, wies den Einspruch aber zurück. Die Begründung: Der Schiedsrichter habe nachweislich eine zweite Uhr getragen. Somit könne keine Beeinträchtigung seiner Fähigkeit zur korrekten Spielleitung festgestellt werden. Ein Regelverstoß, der eine Wiederholung der Begegnung zwingend erforderlich macht, liegt nicht vor.
Das Turnier ist für die Mannschaft von Trainer Vincenzo Montella damit endgültig beendet. Zuvor hatte die Türkei bereits ihr Auftaktspiel gegen Australien mit 0:2 verloren. Die frühe Eliminierung hatte in der Heimat heftige Kritik und Rücktrittsforderungen ausgelöst, während die Verbandsvertreter zunächst keine Selbstkritik übten.