Die türkische Süper Lig steht vor einem tiefgreifenden Regelumbruch. Der nationale Fußballverband TFF plant, nahezu alle neuen Spielregeln, die bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 eingeführt wurden, ab der Saison 2026/27 in der höchsten Spielklasse verbindlich anzuwenden. Wie türkische Medien, darunter HT Spor, berichten, wird lediglich die als „Hydration Break“ bekannte Trinkpause nicht übernommen.
Das Maßnahmenpaket, das die Spieldynamik erhöhen und Unsportlichkeiten eindämmen soll, wurde von der UEFA bereits offiziell an die Mitgliedsverbände kommuniziert. Die zentrale Schiedsrichterkommission (MHK) der Türkei hat für die Vorbereitung auf die neuen Vorschriften einen detaillierten Zeitplan erstellt. Vom 24. bis 28. Juli sollen die Unparteiischen in einem Trainingslager vor Saisonbeginn eine Schulung zur einheitlichen Auslegung der Regeln erhalten. Geleitet wird die Schulung von einem Ausbilder der UEFA. Anschließend ist eine Pressekonferenz geplant, um die Öffentlichkeit und die Klubs über die genauen Auswirkungen zu informieren.
Zu den markantesten Neuerungen gehört der verschärfte Kampf gegen Zeitspiel. Schiedsrichter werden bei Abstößen und Einwürfen eine Fünf-Sekunden-Frist sichtbar herunterzählen. Erfolgt der Einwurf nicht rechtzeitig, wechselt der Ballbesitz. Wird ein Abstoß verzögert, erhält das gegnerische Team einen Eckball. Noch strikter wird bei Spielerwechseln verfahren: Verlässt der auszuwechselnde Spieler das Feld nicht innerhalb von zehn Sekunden, muss der eingewechselte Spieler eine volle Minute warten, ehe er das Feld betreten darf. In dieser Zeit spielt seine Mannschaft in Unterzahl.
Auch der Umgang mit Verletzungsunterbrechungen wird sich grundlegend ändern. Ein Spieler, dessen Behandlung auf dem Platz zu einer Spielunterbrechung geführt hat, muss nach dem Verlassen des Spielfelds mindestens eine Minute an der Seitenlinie verharren, bevor er wieder eingreifen darf.
Zusätzlich führt der Verband strikte disziplinarische Maßnahmen ein. Das Bedecken des Mundes mit der Hand, dem Arm oder dem Trikot bei Meinungsverschiedenheiten mit Gegenspielern wird zwingend mit der Roten Karte bestraft. Dasselbe gilt für Spieler, die aus Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung das Spielfeld verlassen, sowie für Offizielle, die ein solches Verhalten fördern.
Abgerundet wird die Regelreform durch eine massive Ausweitung des Videobeweises. Der VAR kann künftig nicht nur bei irregulären Toren und Elfmetern, sondern auch bei fehlerhaften Eckbällen sowie vor einer zweiten Gelben Karte eingreifen. Zudem können Offensivfouls, die unmittelbar vor einem Tor oder Elfmeter bei einem ruhenden Ball begangen werden, rückwirkend durch den Videoschiedsrichter überprüft werden. Wird ein Vergehen festgestellt, wird die entsprechende Standardsituation wiederholt und der fehlbare Spieler disziplinarisch belangt.
Parallel dazu hält die TFF-Führung laut dem Bericht unverändert an ihrer umstrittenen Ausländerregelung fest. Trotz anhaltender Diskussionen plane der Verband demnach nicht, von der beschlossenen 10+4-Regelung abzurücken.