Wo einst Dramen aufgeführt wurden, flimmerten am Montagmorgen Fußballer über eine gigantische Leinwand. In der südlichen Türkei verwandelten Tausende Fans das historische Antiphellos-Antiktheater in Kaş und eine moderne Sportanlage in Alanya in brodelnde Fankurven. Doch das erhoffte Fußballmärchen blieb aus: Die türkische Nationalmannschaft unterlag zum Auftakt der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 Australien mit 0:2.
In Kaş, einem Küstenort der Provinz Antalya, bot das 2000 Jahre alte Theater mit Blick auf das Mittelmeer eine Kulisse von fast surrealer Schönheit. Bereits in den frühen Morgenstunden strömten rund 5.000 Anhänger in die steinernen Ränge des antiken Bauwerks. Mit Fahnen, Trikots und lauten Gesängen heizte die Menge die Atmosphäre lange vor dem Anpfiff der Partie in Gruppe D auf. Einige besonders Hartgesottene suchten sich zudem Plätze auf den umliegenden Felsen und Anhöhen, um das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen.
Die einzigartige Stimmung kippte jedoch schlagartig mit dem Schlusspfiff. Nach 90 Minuten, in denen die Zuschauer in der archäologischen Stätte mit jedem Ballkontakt mitgefiebert hatten, machte sich tiefe Enttäuschung breit. Das 0:2 gegen Australien, die erste WM-Teilnahme der Türkei seit 24 Jahren, wirkte auf den antiken Steinstufen wie ein Schock.
Rund 150 Kilometer östlich, im Stadtteil Alanya, bot sich ein ähnliches Bild der kollektiven Euphorie und der darauffolgenden Ernüchterung. Die Stadtverwaltung hatte auf dem Gelände des Internationalen Strandsportzentrums gegenüber dem Milli-Egemenlik-Stadion ein öffentliches Rudelgucken organisiert. Auch hier füllte sich das Areal ab den frühen Morgenstunden mit einer enthusiastischen, in Rot und Weiß gehüllten Menschenmenge.
Wie in Kaş peitschten die Fans ihre Mannschaft unermüdlich nach vorne, doch die Treffer fielen auf der anderen Seite. Mit dem Abpfiff der Partie wich die aufgeheizte Stimmung in Alanya einer kollektiven, stillen Trauer. Das Warten auf einen erfolgreichen WM-Start geht für die Türkei somit in historischer Umgebung weiter – allerdings mit einem historisch schlechten Ergebnis.