Sadettin Saran, der Präsident des türkischen Top-Fußballklubs Fenerbahçe Istanbul, hat vor Gericht alle Vorwürfe im Zusammenhang mit illegaler Sportwetten-Werbung zurückgewiesen. Saran und drei weitere Angeklagte müssen sich vor dem 23. Asliye Ceza Mahkemesi in Istanbul wegen des Verdachts verantworten, in Fußballübertragungen auf der Plattform „S SPORT” Werbung für illegale Wettanbieter eingeblendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für jeden der Beschuldigten Haftstrafen zwischen einem und drei Jahren.
In der ersten Anhörung am Dienstag gab der auch als Medienunternehmer tätige Saran an, sein monatliches Einkommen liege bei fünf Millionen Lira (rund 150.000 Euro). Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen sagte der 65-Jährige: „Wir haben keinerlei Tätigkeit, die illegale Wetten fördert. Eine Einmischung in das Signal von außen ist für uns nicht möglich.“ Man übertrage die Fußballspiele, die man aus dem Ausland beziehe, unverändert. Die beanstandeten Werbebanden im Stadion zu entfernen oder zu verpixeln sei technisch nicht machbar, ohne die Übertragung zu ruinieren. „Der Ball wäre unscharf und bei Toren nicht sichtbar”, so Saran.
Auch Kenan Saran, Vorstandsmitglied von S SPORT und Mitangeklagter seines Bruders, betonte, dass man lediglich die Übertragungsrechte erworben habe. Die Werbebanden gehörten zu den ausländischen Ligen und Stadien. „Von diesen Werbungen haben wir kein Einkommen erzielt”, sagte er. Als letzte Instanz im Übertragungsweg habe man keine Möglichkeit, live in den Stream einzugreifen.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, sie hätten über die eingeblendeten Werbungen Personen dazu angestiftet, illegale Sportwetten oder Glücksspiele zu spielen. Die Anklageschrift war nach langen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft für Cyberkriminalität beim zuständigen Gericht eingereicht worden.
Sadettin Saran wies im Gerichtssaal jede Schuld von sich und verwies auf seinen beruflichen Werdegang. „Ich bin das Kind eines Staatsbeamten. Ich habe das Unternehmen vor 30 Jahren gegründet und mich mit Zähnen und Nägeln zu dieser Position hochgearbeitet. Eine Verstrickung in ein solches Verbrechen widerspricht dem normalen Lauf der Dinge“, sagte er. Man habe das Thema auch mit dem UEFA-Präsidenten Aleksander Čeferin besprochen, als dieser in der Türkei gewesen sei. Aufgrund der rechtlichen Risiken würden bereits keine Spiele der englischen oder spanischen Liga mehr übertragen.