ISTANBUL – Beşiktaş-Torhüter Alexander Nübel ist mit seinem neuen Leben in Istanbul offenbar rundum zufrieden. Der 29-jährige Deutsche lobte seinen gelungenen Start beim türkischen Traditionsklub, die Zusammenarbeit mit Trainer Vincenzo Italiano und die besondere Atmosphäre im Tüpraş-Stadion. Auch abseits des Fußballs beginnt Nübel, seine neue Heimat zu erkunden – und nutzt dafür sogar den öffentlichen Nahverkehr.
„Ich habe eine Istanbulkart gekauft und bin sogar mit dem IETT-Bus nach Taksim gefahren“, erzählte Nübel in einem Interview mit dem Beşiktaş-Magazin. Er sei viel in der Stadt unterwegs, habe bereits eine Fähre genommen und auch die asiatische Seite Istanbuls besucht.
„Die Stadt zu entdecken, ist für mich wirklich interessant. Ich bin in Beşiktaş unterwegs und fahre an verschiedene Orte. Ich war an einem Strand in Kilyos, bin mit der Fähre gefahren und habe auch die asiatische Seite besucht“, sagte der Torhüter.
Dass er in Istanbul nicht überall erkannt werde, genieße er ebenfalls. „Manchmal erkennen mich die Leute, manchmal nicht. So kann ich mich etwas freier in der Stadt bewegen.“
Traumstart bei Beşiktaş
Auch sportlich hätte der Start kaum besser laufen können. In seinen ersten sechs Spielen für Beşiktaş blieb Nübel ohne Gegentor.
„Mit so einem Start hatte ich nicht gerechnet. Natürlich habe ich auf einen guten Beginn gehofft, aber so etwas ist wirklich schön“, sagte der Torhüter. Für ihn stehe allerdings nicht die persönliche Statistik im Vordergrund.
„Das Wichtigste ist für mich immer, dass die Mannschaft gewinnt. Dass wir kein Gegentor kassieren, kommt danach. Dieser Start ist vor allem für unsere Defensive sehr wichtig. Als Mannschaft machen wir einen guten Job.“
Ob 1:0 oder 2:0 – entscheidend seien am Ende die drei Punkte. Ein weiteres Spiel ohne Gegentor sei dann ein zusätzlicher Grund zur Freude.
Lob für Trainer Italiano
Nübel äußerte sich auch positiv über Trainer Vincenzo Italiano. Der Italiener lege großen Wert auf die Kommunikation mit seinen Spielern und spreche sowohl über die offensive als auch über die defensive Organisation regelmäßig mit der Mannschaft.
„Unser Trainer spricht ständig mit seinen Spielern. Er ist sehr emotional, aber er vermittelt das auf eine äußerst positive Weise“, erklärte Nübel.
Auch mit der Torwartabteilung stehe Italiano regelmäßig im Austausch. Der Trainer vermittle den Torwarttrainern, was er von Nübel erwarte, anschließend werde dies in persönlichen Gesprächen mit dem Keeper besprochen.
„Unser gesamtes Trainerteam legt großen Wert auf Kommunikation. Besonders uns in der Defensive und den Torhütern wird ständig erklärt, was wir tun müssen. Ich denke, dass diese Kommunikation für die Entwicklung der Mannschaft sehr wertvoll ist.“
Freundin spielte bei Entscheidung für Istanbul eine wichtige Rolle
Bei seinem Wechsel zu Beşiktaş habe auch seine Freundin eine wichtige Rolle gespielt. Sie kenne Istanbul bereits und habe ihn bei der Entscheidung unterstützt.
„Wir haben lange darüber gesprochen. Sie war schon vorher in Istanbul und kannte die Stadt ein wenig. Ich habe sie gefragt, wie sie sich ein Leben hier vorstellen könnte“, erzählte Nübel.
Seine Freundin habe ihm gesagt, dass sie glaube, dass er in Istanbul glücklich werden könne und auch selbst gerne dort leben würde. Das habe ihm die Entscheidung erleichtert.
„Es war nicht nur eine wichtige Entscheidung für meine Fußballkarriere, sondern auch für unser Leben. Dass sie Istanbul und die Türkei ebenfalls mag, hat mir die Entscheidung leichter gemacht.“
Neben dem Land und der Stadt hätten auch die Größe von Beşiktaş und die Familie bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt.
„Die Atmosphäre ist unglaublich“
Besonders angetan ist Nübel von den Beşiktaş-Fans. Die Stimmung im Tüpraş-Stadion sei genau das, wovon Fußballer als Kinder träumten.
„Wenn man als Kind davon träumt, Fußballer zu werden, träumt man auch davon, in solchen Stadien und vor solchen Fans zu spielen“, sagte der Deutsche.
Die Leidenschaft und Unterstützung der Anhänger über 90 Minuten vermittle ihm und seinen Mitspielern „sehr starke Gefühle“. zusätzlichen Druck verspüre er deshalb nicht.
„Für mich ist es etwas ganz Besonderes, als Beşiktaş-Spieler vor diesen Fans zu spielen.“
Nübel entdeckt seine neue Heimat mit der Kamera
Auch abseits des Fußballs hat der Torhüter ein Hobby, das gut zu seinen Erkundungstouren passt: Fotografie. Besonders gerne fotografiert Nübel analog.
„Ich habe eine analoge Kamera und fotografiere sehr gerne. Wenn ich durch Istanbul gehe, mache ich Fotos“, erzählte er. Mittlerweile habe er sogar einen Ort gefunden, an dem er seine Filme digitalisieren lassen könne.
Während er Istanbul erkundet, bereitet Nübel gleichzeitig sein neues Zuhause vor. Noch lebt er im Hotel, seine neue Wohnung hat er jedoch bereits gefunden.
Seine Freundin und sein Kind sollen bald nach Istanbul kommen. Bis dahin möchte der Torhüter die Wohnung fertig einrichten.
„Ich möchte, dass zu Hause alles bereit ist, bevor sie kommen. Deshalb entdecke ich einerseits Istanbul und bereite andererseits unser neues Leben hier als Familie vor.“
„Ich will am Saisonende etwas Besonderes erleben“
Sportlich hat Nübel ebenfalls klare Ziele. Am Ende der Saison möchte er mit Beşiktaş um Titel kämpfen.
„Das Gefühl, einen Pokal zu gewinnen, ist immer etwas ganz Besonderes. Ich möchte am Saisonende sehen, dass wir als Mannschaft erfolgreich waren und wichtige Dinge erreicht haben.“
Die Saison sei noch lang, doch sein Ziel sei klar: „Wir wollen möglichst viele Spiele gewinnen und am Saisonende schöne Gefühle erleben.“