Nach dem hitzigen Derby zwischen Beşiktaş und Fenerbahçe (2:1) meldete sich Sergen Yalçın mit einer deutlichen Analyse zu Wort. Der ehemalige Erfolgstrainer von Beşiktaş sparte dabei weder mit Kritik an der Spielanlage der Gäste, noch mit einer provokanten These zum Titelrennen in der Trendyol Süper Lig.
Beşiktaş drehte am vierten Spieltag einen frühen Rückstand und sicherte sich durch Treffer von Rıdvan Yılmaz und Dušan Vlahović drei Punkte. Für Fenerbahçe hatte lediglich Milan Skriniar getroffen. Während die Gastgeber damit ihre Ambitionen untermauerten, offenbarte der Auftritt des Teams von der asiatischen Seite aus Sicht von Yalçın erhebliche strukturelle Mängel.
In einer Sendung des YouTube-Kanals „KAFA Sports“ nahm Yalçın insbesondere die Mittelfeldkonstellation der Mannschaft von Trainer José Mourinho ins Visier. „Fenerbahçe kann nicht mit zwei reinen Sechsern spielen. Guendouzi und Kanté gemeinsam auf dem Platz – das funktioniert nicht“, stellte der 52-Jährige fest. Zwar lobte er die individuellen Fähigkeiten von N’Golo Kanté, bemängelte jedoch die fehlende Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen.
„Fenerbahçe hat keinen Verbindungsspieler. Kanté trägt den Ball, verteidigt, dribbelt – aber es gibt niemanden sonst, der das Spiel lenkt“, so Yalçın. Deutliche Worte fand er zudem für die sportliche Leitung: „Warum wurde Talisca verkauft? Diese Mannschaft ist einfach kein Team geworden.“ Auch die Rolle von Mason Greenwood blieb für ihn unklar: „Man weiß nicht, was er eigentlich spielt. Körperlich wirkt er in schlechter Verfassung.“
Im Kontrast dazu hob Yalçın die Geschlossenheit des Derbysiegers hervor. „Beşiktaş stand kompakt, spielte druckvoll und agierte wie eine echte Einheit. Das sind wichtige Signale für die Zukunft“, erklärte er. „Während Beşiktaş eine klare Teamidentität gezeigt hat, war bei Fenerbahçe das Gegenteil der Fall.“
Für das Titelrennen leitete Yalçın eine bemerkenswerte Schlussfolgerung ab, die in beiden Fanlagern für Diskussionen sorgen dürfte. „Fenerbahçe und Beşiktaş sind nicht die wahren Rivalen im Meisterschaftskampf. Ihr gemeinsamer Gegner heißt Galatasaray.“ Er begründete dies mit der individuellen Qualität des Tabellenführers: „Wenn man sich die Spieler von Galatasaray anschaut und sie mit denen aus diesem Derby vergleicht, dann ist Galatasaray eine Stufe höher anzusiedeln. Galatasaray wird in dieser Liga nicht Dritter werden.“
Mit dieser Einschätzung untermauert Yalçın die wachsende Meinung, dass der Titelkampf in dieser Saison vor allem über den amtierenden Meister führt – und der Druck auf die beiden Verfolger aus Istanbul entsprechend steigt.