Mehr als nur Fußball: Wie die Türkei mit Wintersport und Radsport zur Ganzjahres-Sportnation werden will

18.02.2026 – 18:00 Uhr

Die Türkei richtet ihre Tourismusstrategie neu aus und setzt verstärkt auf Sportarten jenseits des Fußballs. Mit Investitionen in Radsport, Wintersport und weitere Disziplinen will das Land seinen Anteil am internationalen Sporttourismus deutlich steigern und sich als ganzjähriges Reiseziel etablieren.

Laut Nida Kiraz, der Präsidentin der Türkischen Vereinigung für Sporttourismus, soll die neue Initiative insgesamt zwölf Sportarten umfassen. Das Ziel besteht darin, das vorhandene Potenzial des Landes international sichtbarer zu machen und neue Zielgruppen anzusprechen.

Ein zentrales Schaufenster der Branche wird Ende Mai in Antalya erwartet. Vom 31. Mai bis zum 3. Juni soll dort die nach Angaben der Veranstalter größte Sporttourismus-Messe Europas stattfinden. Es werden führende internationale Sportunternehmen erwartet. Die Veranstaltung gilt als wichtiger Baustein, um die Türkei als Standort für Trainingslager, Wettkämpfe und Sportevents zu positionieren.

Wintersaison gewinnt an Bedeutung

Sporttourismus spielt nach Einschätzung von Kiraz eine zunehmend wichtige Rolle für die Auslastung in den Wintermonaten. Während die Zeit von Dezember bis Februar lange als tourismusschwach galt, verzeichnet man inzwischen steigende Ankünfte von Sportlerinnen und Sportlern. Dies trägt dazu bei, Hotels ganzjährig geöffnet zu halten und Arbeitsplätze zu sichern.

International macht der Sporttourismus laut Branchenangaben rund zehn Prozent des gesamten Tourismusaufkommens aus. In der Türkei liegt der Anteil derzeit bei etwa 1,5 Prozent. Regierung und Privatwirtschaft arbeiten gemeinsam daran, diesen Wert zu erhöhen, so die Branchenvertretung.

Moderne Anlagen im ganzen Land

Zur Infrastruktur zählen unter anderem Wintersportzentren in Erzurum, das Velodrom in Konya sowie olympische Sportanlagen in Samsun. Auch die Skigebiete in Erciyes und Uludağ werden gezielt international vermarktet.

Der Radsport entwickelt sich demnach besonders dynamisch. Antalya gilt inzwischen als wichtiger Trainings- und Wettkampfort. Für das Jahr 2026 sind dort drei größere Veranstaltungen angekündigt: die „Tour of Antalya”, ein internationales Gran Fondo und das Radsportevent „Padelia”. Branchenvertreter erwarten davon zusätzliche Impulse für die regionale Wertschöpfung.

Auch der Golftourismus verzeichnet eine stabile Nachfrage. Golfplätze in den Küstenregionen sind insbesondere in den Wintermonaten gut ausgelastet und tragen zur wirtschaftlichen Stabilisierung außerhalb der klassischen Urlaubssaison bei.