Hull Citys Traumstart in der Premier League: “Wir leben gerade einen Traum”

17.09.2026 – 18:00 Uhr

Hull City sorgt in der englischen Premier League für Aufsehen. Nach vier Spielen steht die Mannschaft von Trainer Sergej Jakirović mit acht Punkten und ohne Niederlage da – ein Ergebnis, mit dem nicht einmal der eigene Präsident gerechnet hatte.

Im Gespräch mit dem Sender HT Spor zeigte sich der türkische Klubchef Acun Ilıcalı euphorisch: „Wir sind sehr glücklich. Ehrlich gesagt hatten wir diese acht Punkte nicht auf dem Zettel. Man spielt gegen Chelsea und Manchester United, die beide Champions-League-Teams sind. Deshalb war das nicht eingeplant.“ Besonders bemerkenswert ist, dass Hull City bislang überwiegend auf Spieler aus der Aufstiegssaison setzt. „Wir spielen mit acht Spielern vom letzten Jahr. Wir haben 18 Transfers getätigt, aber die neuen Spieler noch nicht ins Team integriert. Mit diesen acht Jünglingen leben wir gerade einen Traum.“

Motivation durch Skepsis

Ilıcalı betonte, dass die Skepsis von außen sein Team zusätzlich ansporne. „In meinem ganzen Leben habe ich mit Schwierigkeiten gekämpft. Sie sagten immer: ‚Das schafft ihr nicht, ihr steigt ab.‘ Diese Worte motivieren uns und die Jungs.“ In England habe man häufig gehört, ein Türke könne das nicht bewerkstelligen. „Erst hieß es: ‚Ihr steigt nicht auf‘ – wir sind aufgestiegen. Danach habe ich viele Kommentare gelesen, dass wir es nicht schaffen würden. Alle sagten, Hull City würde absteigen. Wir haben die Mannschaft hochgebracht. Ich bin stolz auf die Jungs.“

Lob für Trainer Jakirovic

Ilıcalı sprach seinem Trainer Sergej Jakirović großes Lob aus. Der Kroate war vor seiner Verpflichtung vor allem in kleineren Ligen tätig, unter anderem bei Kayserispor in der Türkei. „Ich glaube nicht, dass ein anderer Präsident auf der Welt Jakirović in die Championship geholt hätte. Er stand nicht im Fokus der englischen Klubverantwortlichen“, so Ilıcalı. Die Verpflichtung bezeichnete er als Glücksfall: „Für mich ist er ein Geschenk Gottes.”

Der Präsident schilderte auch die Umstände der Verpflichtung: Jakirović sollte ursprünglich zu einem zyprischen Verein wechseln, doch der Deal platzte. „Wäre er nach Zypern gegangen, hätten wir ihn nicht bekommen.” Ilıcalı zeigte sich von dessen Spielstil überzeugt und konnte auch die englischen Verantwortlichen überzeugen: „Die Engländer verfolgen die türkische Liga nicht besonders. Ich habe sie überzeugt, sie sagten: ‚Könnte funktionieren.‘“ Der Vertrag mit Jakirović wurde inzwischen verlängert.

Keine Sorgen um Abwerbungen

Auf die Frage, ob europäische Klubs auf Jakirović aufmerksam geworden seien, antwortete Ilıcalı gelassen: „Gibt es im Fußball so etwas wie unmöglich?” Nein. Natürlich zieht er Interesse auf sich. Aber der Punkt ist: Wenn unser Trainer glücklich ist, sind wir es auch.“ Das Verhältnis sei eng und familiär. „Er hat ein sehr reines Herz, ist ein emotionaler Mensch. Er fühlt sich wie ein Teil unserer Familie. Zuletzt hat er vor drei Tagen bei uns zu Hause gegessen.“

Transferpolitik und Saisonziele

Ilıcalı äußerte sich auch zu einzelnen Transfers. Er bezeichnete den Verkauf von Jaden Philogene für 20 Millionen Pfund als großen Erfolg. Zudem hob er den algerischen Mittelfeldspieler Belloumi hervor, der bereits gegen Chelsea zwei Tore erzielt hatte. „Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer. Ich kann ihn nur empfehlen.“ Auch Stürmer McBurnie, um den er zwei Monate lang geworben habe, lobte er: Dieser habe im Finale das entscheidende Tor zum Premier-League-Aufstieg erzielt.

Zu den Saisonzielen wollte sich Ilıcalı jedoch nicht festlegen. Eine konkrete Punkteplanung sei derzeit nicht möglich. „Für die Premier League ist es jetzt viel zu früh, eine Punkterechnung anzustellen.“ Jakirović hatte zu Saisonbeginn 40 Punkte als Richtwert für den Klassenerhalt genannt. Ilıcalı ergänzte: „Ich denke, auch 37 bis 38 Punkte könnten zum Verbleib in der Liga reichen. Hoffentlich müssen wir diese Rechnungen gar nicht erst anstellen.“ Entscheidend werde ohnehin die Schlussphase der Saison sein: „Diese Sache wird zu einem gewissen Teil die Angelegenheit der letzten zehn Wochen sein.“