Nach dem verlorenen Saisonfinale hat Meistertrainer Okan Buruk scharfe Kritik an der neuen Ausländerregelung des türkischen Fußballverbands (TFF) geübt. Der Coach von Galatasaray Istanbul sieht die internationalen Ambitionen seines Vereins massiv gefährdet und warnt vor einer Schwächung des gesamten türkischen Fußballs.
Nach der 0:1-Niederlage bei Kasımpaşa am letzten Spieltag der Süper Lig zog Buruk eine durchwachsene Bilanz, obwohl die Meisterschaft bereits eine Woche zuvor festgestanden hatte. „Wir haben eine lange Saison als Champion beendet. Heute wollten wir gewinnen, aber wir haben einige Nationalspieler geschont, weil die WM-Vorbereitung ansteht“, erklärte Buruk die personellen Änderungen. Spieler wie Barış Alper Yılmaz oder Uğurcan Çakır wurden geschont, Victor Osimhen fehlte gesperrt.
Den entscheidenden Moment der gesamten Spielzeit verortete Buruk klar im 3:0-Heimsieg gegen den Erzrivalen Fenerbahçe am 31. Spieltag. „Dieses Derby hat den Meister dieser Saison bestimmt“, sagte der 51-Jährige.
„Uns sind die Hände gebunden“
Deutlich emotionaler wurde Buruk beim Thema Kaderplanung. Der Trainer übte scharfe Kritik an der kürzlich beschlossenen „10+4“-Ausländerregelung, durch die sich der Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt drastisch verringert. Mit den bereits unter Vertrag stehenden Profis, Rückkehrern und Leistungsträgern sei das Kontingent faktisch ausgereizt.
„Diese Regel bindet uns die Hände. Jedes Jahr ändert sich das, und die Klubs erleiden dadurch enormen finanziellen Schaden“, rechnete Buruk vor. Ein Beispiel: Von den verbleibenden drei Plätzen dürfen nur noch U23-Spieler verpflichtet werden. „Junge, gute Spieler wollen aber nicht in die Türkei kommen – oder sie kosten Unsummen. In Europa fangen selbst die günstigsten Transfers mittlerweile bei 20 Millionen Euro an.“
Besonders bitter ist, dass die zuletzt ausgeliehenen Leistungsträger Sacha Boey, Noa Lang und Yaser Asprilla nun kaum fest verpflichtet werden können. „Beide haben uns enorm geholfen, wir würden sie gerne behalten. Aber aufgrund dieser Regel wissen wir nicht, wie wir das umsetzen sollen. Anstatt die Mannschaft für die Champions League zu verbessern, drohen wir nun, unter das Niveau des letzten Kaders zu fallen“, warnte Buruk.
Icardis Zukunft weiter ungewiss
Bezüglich der Zukunft von Stürmerstar Mauro Icardi, dessen Vertrag ausläuft, verwies Buruk auf anstehende Verhandlungen. „Unser Präsident wird sich mit seinem Berater zusammensetzen. Icardi ist einer der wichtigsten Spieler unserer Geschichte und ein Kapitän. Aber wir müssen abwarten, was beide Seiten wollen.“ Zudem deutete der Trainer an, dass selbst eine Weiterbeschäftigung des Argentiniers durch das enge Ausländer-Korsett kompliziert werden könnte, da die Plätze im Kader ohnehin knapp sind.
Trotz aller Widrigkeiten formulierte Buruk das klare Ziel für die kommende Saison: den 27. Meistertitel und die fünfte Meisterschaft in Folge. „Ich bin in diesem Verein groß geworden, habe hier als Spieler und Trainer Titel geholt. Ich lebe meinen Traum und will noch viele weitere Meisterschaften feiern – am liebsten alle mit Galatasaray.“