Ein ungewöhnlicher akustischer Seitenhieb verschärft die ohnehin aufgeheizte Stimmung im türkischen Fußball: Das renommierte Galatasaray-Gymnasium in Istanbul hat nach dem deutlichen Derbysieg gegen den Erzrivalen Fenerbahçe kurzerhand den Pausengong ausgetauscht und spielt nun die Fan-Hymne „Fener, weine“ ab.
Am vergangenen Spieltag hatte Galatasaray den Tabellenverfolger Fenerbahçe im heimischen Stadion mit 3:0 besiegt und damit einen riesigen Schritt in Richtung der 26. türkischen Meisterschaft gemacht. Es war der vierte Derbysieg in Folge. Nur wenig später hallte die bekannte Schmähparole durch die Flure der traditionsreichen Bildungseinrichtung, in der einst der Sportklub Galatasaray gegründet wurde.
Der türkische Journalist Can Tongo berichtete umgehend über den Vorfall und teilte ein Video, das sich binnen kürzester Zeit in den sozialen Netzwerken verbreitete. Darauf ist zu hören, wie Schüler das Lied für ihre Pause lautstark mitsingen. Während die Anhänger des Spitzenreiters die Aktion bejubelten, reagierten zahlreiche Fenerbahçe-Fans empört. Sie werteten die musikalische Umstellung als Provokation und eine unangemessene Politisierung des Schulbetriebs.
Sportlich ist die Ausgangslage für das Team von Trainer Okan Buruk komfortabel: Mit einem Vorsprung, der in den verbleibenden drei Ligapartien lediglich vier weitere Punkte erfordert, um unabhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz den Titel zu sichern, steuert der Rekordmeister auf eine erneute Feier zu. Der Schall aus der Schule von Beyoğlu war dafür wohl nur ein erster, inoffizieller Vorgeschmack.