Es ist das Duell der Giganten, ein Kampf David gegen Goliath – nur dass diesmal beide in Rüstung antreten. Im Halbfinale des EuroLeague Final Four trifft Fenerbahçe Beko Istanbul heute Abend auf den haushohen Favoriten Olympiacos Piräus. Für die Türken geht es um die Krönung einer Aufholjagd, für die Griechen um die endgültige Erlösung von einer schier endlosen Titeldürre. Sprungball in der Telekom Arena ist um 17:00 Uhr (MESZ).
Das Team von Trainer Šarūnas Jasikevičius hat sich mit einer Machtdemonstration für die Bühne in München qualifiziert. In der Play-off-Serie demontierte Fenerbahçe Zalgiris Kaunas mit 3:1, darunter eine Gala-Vorstellung beim entscheidenden vierten Spiel in Kaunas. Das neu formierte Dreigestirn Khem Birch und Talen Horton-Tucker (je 21 Punkte) sowie Wade Baldwin IV (14 Punkte) ließ der litauischen Defensive keine Chance und sicherte dem Klub die achte Final-Four-Teilnahme.
Doch der Gegner auf der anderen Seite des Feldes ist eine ganz andere Hausnummer. Der amtierende Hauptrundenprimus Olympiacos unter der Regie von Georgios Bartzokas marschierte mit einer Bilanz von 26:12 Siegen durch die Saison und fegte AS Monaco im Viertelfinale mit einem vernichtenden 3:0-Sweep vom Parkett. Die Mannschaft um Superstar Sasha Vezenkov (19,2 Punkte pro Spiel) ist ein offensiver und defensiver Koloss, wie ein Blick auf die nackten Zahlen beweist.
Die Statistik zeichnet das Bild einer schier übermächtigen roten Wand. Während Fenerbahçe im Durchschnitt 82,4 Punkte erzielt, sind es bei Olympiacos beeindruckende 90,7. Noch drastischer ist der Unterschied im Spielaufbau: Den 21,7 Assists der Griechen stehen lediglich 16,2 der Türken gegenüber. Auch unter den Körben droht Ungemach: Fenerbahçe-Zweisteller Melli (5,7 Rebounds) und Birch müssen die gegnerischen Zentner Moustapha Fall und Nikola Milutinov (7,0 Rebounds) aus der Zone halten. Immerhin gibt es eine kleine Hoffnung für Fenerbahçe: Von außen treffen beide Teams nahezu identisch (Olympiacos 35,8 %, Fenerbahçe 36,6 %).
Historisch gesehen ist die Ausgangslage ausgeglichen. In 36 Duellen spricht die Bilanz mit 18:18 Siegen eine klare Sprache der Ausgeglichenheit. Die psychologische Komponente könnte jedoch die entscheidende sein. Während Fenerbahçe 2017 unter Zeljko Obradovic bereits die Krone holte, wartet Olympiacos seit 2013 auf den zweiten Titel und verlor seitdem drei Endspiele. Der Druck lastet auf Piräus.