Fenerbahçe-Präsident Saran sieht Bevorzugung Galatasarays – Kritik an Schiedsrichtern und Appell an Fans

13.03.2026 – 15:00 Uhr

Sadettin Saran, der Präsident des türkischen Fußballklubs Fenerbahçe, hat im Meisterschaftsrennen der Süper Lig deutliche Kritik an Schiedsrichterentscheidungen geäußert und dabei auch den Erzrivalen Galatasaray ins Spiel gebracht. Bei einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Journalisten erklärte der Klubchef, er sei überzeugt, dass der Tabellenkonkurrent in entscheidenden Situationen bevorzugt werde.

Die Veranstaltung fand in den Faruk-Ilgaz-Anlagen des Vereins statt. Neben Saran nahmen auch mehrere Vorstandsmitglieder teil. In seinem Statement betonte der Präsident zunächst, dass sein Fokus derzeit ausschließlich auf dem Verein liege. Neben seiner Familie habe Fenerbahçe aktuell oberste Priorität. Über mögliche Vereinswahlen wolle er bis Mai nicht sprechen.

Kritik am Schiedsrichterwesen

Besonders deutlich äußerte sich Saran zur Arbeit der Schiedsrichter und der türkischen Schiedsrichterkommission (MHK). Seiner Einschätzung nach habe es zuletzt mehrere schwer nachvollziehbare Entscheidungen gegeben. Als Beispiel nannte er eine Szene, in der seiner Ansicht nach ein klarer Regelverstoß ohne Gelbe Karte geblieben sei.

Saran erklärte, er habe sich bisher bewusst mit öffentlicher Kritik zurückgehalten. Lautstarke Proteste seien seiner Meinung nach selten hilfreich. Dennoch habe es in den vergangenen Wochen mehrere Situationen gegeben, die für den Klub nicht akzeptabel seien.

Laut dem Präsidenten seien viele Vereine mit der Arbeit der Schiedsrichterkommission unzufrieden. Fenerbahçe habe seine Kritik intern gegenüber dem Verband vorgebracht und dazu auch ein eigenes Dossier vorbereitet.

„Ich glaube, dass Galatasaray bevorzugt wird“

Im Zusammenhang mit dem Titelkampf äußerte Saran den Verdacht, dass Rivalen Vorteile erhalten hätten. Er betonte jedoch, dass er sportliche Probleme nicht allein auf Schiedsrichterentscheidungen schieben wolle. Verletzungen und andere Faktoren hätten ebenfalls eine Rolle gespielt. Dennoch bleibe bei ihm der Eindruck bestehen, dass Galatasaray in manchen Situationen begünstigt werde.

Zugleich betonte der Präsident, dass sein Verein lediglich faire Wettbewerbsbedingungen fordere.

Druck im eigenen Stadion

Auch die Situation der Mannschaft kam zur Sprache. Vor allem junge Spieler stünden im eigenen Stadion in Kadıköy unter erheblichem Druck. Wenn Tore ausblieben, entstehe eine unruhige Atmosphäre, die sich auf die Psyche der Spieler auswirken könne.

Der Klub arbeite deshalb mit psychologischen Fachkräften zusammen. Ein weiterer Hintergrund ist die lange Wartezeit auf einen Meistertitel, die bei Fans und Team hohe Erwartungen geschaffen hat.

Transfers und sportliche Planung

Gerüchte, Transfers seien aus finanziellen Gründen gescheitert, wies Saran zurück. In der Winterpause habe der Verein mehrere Optionen geprüft. Besonders großes Interesse hatte er persönlich an Offensivspieler Ademola Lookman, doch ein Wechsel kam nicht zustande.

Es habe auch Gespräche mit weiteren Spielern, darunter Alexander Sørloth und Darwin Núñez, gegeben. Viele Kandidaten hätten jedoch signalisiert, erst im Sommer über einen Wechsel nachdenken zu wollen.

Die sportlichen Entscheidungen treffe der Klub gemeinsam mit Trainer Domenico Tedesco und dem zuständigen Team.

Appell an die Anhänger

Mit Blick auf die noch ausstehenden Ligaspiele richtete Saran einen deutlichen Appell an die Fans. In den letzten neun Wochen der Saison brauche die Mannschaft geschlossene Unterstützung. Kritik an seiner Person als Präsident sei legitim, sagte er. Entscheidend sei jedoch, dass das Team in dieser Phase Rückhalt von den Rängen erhalte.

Reformbedarf im türkischen Fußball

Abschließend sprach Saran auch über die wirtschaftlichen Herausforderungen im türkischen Vereinsfußball. Als mögliches Vorbild nannte er nachhaltige Modelle wie das des norwegischen Klubs Bodø/Glimt.

Langfristig könnten aus seiner Sicht gemeinsame Regeln der Vereine, etwa bei den Gehaltsstrukturen, dazu beitragen, die Kosten zu senken. Derzeit sei eine solche Einigung im türkischen Fußball jedoch schwer umzusetzen.