Bei der ordentlichen Finanz- und Verwaltungsgeneralversammlung von Fenerbahçe ist es zu einem heftigen Schlagabtausch über die finanzielle Lage des türkischen Traditionsklubs gekommen. Präsident Aziz Yıldırım griff dabei den früheren Vereinschef Sadettin Saran und dessen Führung scharf an. Besonders die Entwicklung der Schulden und die Verwendung von Klubgeldern sorgten für Diskussionen.
Yıldırım: „Ihr habt das Geld ausgegeben“
Yıldırım kritisierte unter anderem den Umgang der früheren Führung mit den Vereinsimmobilien. Nach seinen Angaben sei die Fenerbahçe-Universität für zehn Jahre vermietet worden, obwohl sie anschließend nicht mehr dem Klub gehöre. Er sprach in diesem Zusammenhang davon, dass Vereinsvermögen verloren gegangen sei.
Auch die finanziellen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Fenerbahçe-Spieler Youssef En-Nesyri nahm Yıldırım ins Visier. Der Klub habe für den Transfer 19,5 Millionen Euro gezahlt, von denen noch sechs Millionen Euro ausständig gewesen seien. Nachdem eine Rate nicht fristgerecht bezahlt worden sei, habe die FIFA den Klub kontaktiert. Fenerbahçe habe die Zahlung anschließend übernommen.
Yıldırım richtete dabei eine direkte Botschaft an die frühere Führung: „Ihr habt das Geld genommen und ausgegeben.“
Schulden bei 592 Millionen Euro
Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die Zahlen zur finanziellen Situation des Vereins. Fenerbahçe-Vizepräsident Barış Göktürk erklärte, die Schulden des Klubs hätten sich von 398 Millionen Euro im Mai 2024 auf 486 Millionen Euro im Mai 2025 und schließlich auf 592 Millionen Euro im September 2025 erhöht. Diese Zahlen stammten aus den damaligen Finanzberichten des Vereins, betonte Göktürk.
Gleichzeitig habe Fenerbahçe in der Saison 2025/26 Einnahmen von rund 457 Millionen Euro erzielt, während sich die Ausgaben auf 611 Millionen Euro belaufen hätten. Göktürk bezeichnete die Saison als diejenige mit den höchsten Ausgaben in der Vereinsgeschichte. Das daraus resultierende Defizit bezifferte er auf rund 180 Millionen Euro.
Als weitere Einnahmequellen, die bereits genutzt worden seien, nannte er unter anderem Erträge aus Immobilien, eine Kapitalerhöhung sowie vorgezogene Einnahmen aus Sponsoring- und anderen Verträgen.
Saran-Vertrauter widerspricht
Die Vorwürfe stießen bei Vertretern der früheren Führung auf Widerspruch. İlker Alkun aus dem damaligen Vorstand wies die Darstellung zurück und erklärte, die finanzielle Belastung des Klubs sei über viele Jahre entstanden.
Alkun verwies unter anderem auf Zinslasten aus der Vergangenheit und erklärte, die damalige Führung habe einen erheblichen Teil der Mittel zur Tilgung von Bankverbindlichkeiten und zur Deckung laufender Kosten eingesetzt. Die Verantwortung für die langfristige Verschuldung könne nicht allein dem Saran-Vorstand zugeschrieben werden.
Bei der Generalversammlung kam es zwischenzeitlich zu einer kurzen Auseinandersetzung. Nachdem ein Redner die finanzielle Situation erläutert hatte, rief Yıldırım „Ihr habt das Geld ausgegeben!“. Alkun entgegnete: „Was haben wir ausgegeben? Wir erklären es doch.“
Saran-Führung wird entlastet
Trotz der heftigen Kritik wurde die von Sadettin Saran geführte Vereinsführung für den Zeitraum vom 1. März bis 31. Mai 2026 mit Stimmenmehrheit finanziell und administrativ entlastet. Yıldırım hatte zunächst angekündigt, dagegen zu stimmen, erklärte vor der Abstimmung jedoch, er werde aus Gründen der Einheit des Vereins für die Entlastung stimmen.
Die Generalversammlung machte damit zugleich die tiefen finanziellen Auseinandersetzungen innerhalb des Vereins sichtbar. Im Mittelpunkt standen sowohl die aktuelle Schuldenlast als auch die Frage, wie die finanziellen Mittel und Vermögenswerte des Klubs in den vergangenen Jahren eingesetzt wurden.