Fehlstart in der Süper Lig für Galatasaray, Fenerbahçe und Trabzonspor – Experten analysieren die Ursachen

18.08.2026 – 18:00 Uhr

Der Saisonauftakt der neuen Süper Lig hat die Kräfteverhältnisse im türkischen Spitzenfußball gehörig durcheinandergewirbelt. Von den vier Meisterschaftskandidaten gaben sich am ersten Spieltag drei Klubs eine Blöße. Einzig Beşiktaş konnte einen Sieg einfahren und wird nun von Experten als ernsthafter Titelanwärter gehandelt.

In der wöchentlichen Runde des „Futbol Konseyi“ der Zeitung Hürriyet analysierten die Fachjournalisten Fırat Aydınus, Uğur Meleke, Güntekin Onay und Mehmet Arslan die überraschenden Ergebnisse. Ihr gemeinsames Fazit: Der Kampf um die Meisterschaft ist offener als in den Vorjahren.

Beşiktaş als lachender Dritter

Während Galatasaray, Fenerbahçe und Trabzonspor Punkte liegen ließen, präsentierte sich Beşiktaş beim Auftaktsieg als stabilste Mannschaft. Besonders hervorgehoben wurde die Arbeit des neuen Cheftrainers Vincenzo Italiano. „Beşiktaş hat mit Italiano einen im wahrsten Sinne europäischen Trainer bekommen“, lobte Uğur Meleke. Der Italiener habe in den vergangenen Jahren zwei europäische Finals erreicht und verleihe der Mannschaft eine ungewohnte defensive Disziplin. Güntekin Onay ergänzte, das Team agiere geschlossener und lasse kaum Chancen zu. Ein Problem bleibe jedoch die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff. Die Lösung dafür könnte der neue Stürmerstar Dusan Vlahovic sein. „Wenn er integriert ist, dürfte sich die Torflaute weitgehend erledigen“, so Onay.

Mehmet Arslan wagte sogar eine Kampfansage an die Konkurrenz: „Der Titelkampf ist keine Angelegenheit von nur zwei Teams mehr. Niemand sollte Beşiktaş vergessen.“

Galatasaray: Pfiffe, Proteste und ein altbekanntes Problem

Der Rekordmeister kam gegen den Aufsteiger Çorum FK nicht über ein Unentschieden hinaus und musste sich dafür heftige Pfiffe der eigenen Anhänger gefallen lassen. Die Experten zeigen für die Fan-Reaktionen teils Verständnis, verweisen jedoch auf strukturelle Schwächen im Kader. Besonders deutlich wurde Mehmet Arslan: „Ohne Osimhen wäre Galatasaray eine durchschnittliche Mannschaft.“ Der Stürmer verdecke seit Monaten die kreative Armut im Offensivspiel. Es fehle ein klassischer Spielmacher sowie ein adäquater Ersatz für den Nigerianer.

Auch Güntekin Onay übte Kritik an der Kaderplanung: „Die Bank ist im Angriff erschreckend dünn besetzt. In Çorum brachte Okan Buruk fünf Spieler – zwei linke Verteidiger und drei Sechser. Kein einziger Offensivspieler.“ Fırat Aydınus sieht den Ursprung der Fan-Wut zudem in der als passiv empfundenen Transferpolitik der Vereinsführung. „Die Erwartungen waren riesig, geliefert wurde wenig. Und das Team sucht seit zwei Jahren einen Zehner“, so Aydınus über Fenerbahçe.

Fenerbahçe: Rotations-Debatte nach peinlicher Pleite

Die 1:2-Niederlage von Fenerbahçe gegen den starken Aufsteiger Gençlerbirliği hat für hitzige Diskussionen gesorgt. Im Fokus steht Trainer İsmail Kartal, der zum Ligaauftakt zahlreiche Stammkräfte zunächst auf der Bank ließ. Während Uğur Meleke die pauschale Kritik an der Rotation für überzogen hält, bemängelte er die Einwechslungen: „Warum der beste Spieler des Teams, Asensio, zum dritten Mal in Folge nach 60 Minuten runter muss, ist mir ein Rätsel.“ Mehmet Arslan dagegen nahm den Trainer in die Pflicht: „Wer bei einer 1:0-Führung gegen einen Aufsteiger seine besten Spieler draußen lässt und am Ende verliert, muss sich die Niederlage ankreiden lassen.“

Güntekin Onay verteidigte Kartal teilweise und schob die Verantwortung den Profis zu: „Die Gegentore gingen auf individuelle Fehler von erfahrenen Spielern wie Guendouzi oder Skriniar zurück. Das hat nichts mit Rotation zu tun.“

Trabzonspor: Salah glänzt, aber das Kollektiv hakt

Auch Trabzonspor enttäuschte trotz einer spektakulären Transferoffensive zum Saisonstart. Der neue Star Mohamed Salah brachte nach seiner Einwechslung zwar sofort Schwung und eine spürbare individuelle Klasse ins Spiel, konnte die Nullnummer gegen Kasımpaşa aber nicht verhindern. „Allein kann selbst ein Salah keine Meisterschaft gewinnen”, warnte Güntekin Onay. Dem Team fehle ein kreativer Kopf im Mittelfeld, wie ihn einst Sosa, Hamsik oder Bakasetas verkörperten.

Uğur Meleke wies auf die zahlreichen Abgänge und Verletzten hin: „Fatih Tekke braucht Zeit, um aus vielen Einzelteilen ein echtes Team zu formen.“ Mehmet Arslan blickte dennoch optimistisch in die Zukunft: „Wenn noch der geplante Top-Stürmer kommt, wird Trabzon eine ganz andere Rolle spielen.“