Wenige Wochen vor dem außerordentlichen Wahlkongress von Fenerbahçe Istanbul spitzt sich die Kandidatensuche dramatisch zu. Während sich das Bewerberfeld lichtet, wächst hinter den Kulissen der Druck auf den ehemaligen Langzeitpräsidenten Aziz Yıldırım, noch einmal anzutreten. Wie aus Vereinskreisen verlautet, analysiert Yıldırım derzeit mit seinen engsten Beratern die Lage und wird binnen 48 Stunden eine öffentliche Entscheidung verkünden.
Der mit Spannung erwartete Kongress, auf dem die Nachfolge des aktuellen Managements geregelt wird, ist für den 6. und 7. Juni terminiert. Die Ausgangslage hat sich zuletzt grundlegend verändert, nachdem der zunächst als aussichtsreichster Kandidat gehandelte Mehmet Ali Aydınlar am Mittwoch überraschend seinen Verzicht erklärt hat. Damit fehlt dem Lager der Opposition ein zentraler Führungsanspruch.
In das entstandene Vakuum rückt nun zunehmend Aziz Yıldırım. Der in der Vergangenheit nicht unumstrittene, aber innerhalb der Basis noch immer tief verwurzelte Ex-Präsident sieht sich massivem Druck aus der Gemeinschaft ausgesetzt. Yıldırım selbst hielt sich zuletzt bedeckt, signalisierte aber eine grundsätzliche Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen Verantwortung zu übernehmen. „Es geht mir nicht zwangsläufig darum, Präsident zu werden”, hatte Yıldırım erklärt. „Aber wenn wir einen Beitrag leisten und gemeinsam eine Formation schaffen können, die verhindert, dass die Kinder weinen, dann schauen wir weiter.” Spekulationen über Vorgespräche mit anderen Kandidaten wies er zurück.
Besonders brisant ist die Situation für den Bewerber Barış Göktürk. Er hatte in einem Interview unmissverständlich klargestellt, dass er nur für Aziz Yıldırım den Vortritt lassen und seine eigene Kandidatur zurückziehen würde. Sollte Yıldırım tatsächlich antreten, dürfte sich das Kandidatentableau somit nochmals reduzieren.
Unabhängig davon, dass Yıldırım noch auf sich warten lässt, positioniert sich unterdessen Hakan Safi. Der frühere Klubfunktionär gab seine Kandidatur offiziell und „bedingungslos” bei der Nachrichtenagentur AA bekannt. Er betonte, er strebe eine Ära an, die jeden Teil der Fenerbahçe-Familie umfasse, und kündigte an, den Verein bereits in der ersten Saison zurück zu Titeln führen zu wollen. „Fenerbahçe ist nicht nur ein Sportklub, sondern eine Leidenschaft und ein Wert, der in den Herzen von Millionen lebt”, so Safi.
Die kommenden 48 Stunden gelten nun als richtungsweisend. Der türkische Traditionsklub wartet gespannt auf das Signal von Aziz Yıldırım, das die Machtverhältnisse vor der Wahl noch einmal neu ordnen könnte.