Während bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zahlreiche enttäuschte Nationen ihre Trainer entlassen, hält ein Mann bemerkenswert hartnäckig an seinem Posten fest: Vincenzo Montella. Der italienische Trainer der türkischen Nationalmannschaft ist nach dem peinlichen Vorrunden-Aus ohne ein einziges Tor der letzte verbliebene Coach, der nicht zurückgetreten ist oder entlassen wurde – ein zweifelhafter Eintrag in die WM-Geschichtsbücher.
Die Pleite der Türkei wiegt schwer. Mit großen Ambitionen angereist, kassierte die Mannschaft Niederlagen gegen Australien und Paraguay und schied bereits nach zwei Gruppenspielen torlos aus. Sieben andere gescheiterte Teams zogen längst personelle Konsequenzen, nur in der Türkei bleibt die Trainerfrage ungelöst – sehr zum Unmut der Fans und Medien.
“Kader” als Erklärung – Ein Satz entzürnt eine Nation
Für besondere Irritation sorgte Montellas Analyse nach der entscheidenden Paraguay-Pleite. „Es hört sich einfach an, aber das Schicksal schien nicht auf unserer Seite zu sein“, erklärte der 50-Jährige und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Als die Rufe nach einem sofortigen Rücktritt lauter wurden, reagierte der Coach mit demonstrativer Härte. Auf der Pressekonferenz schloss er einen freiwilligen Abgang kategorisch aus und verwies auf seinen Status als der Mann, der die Türkei überhaupt erst zur EM und zur WM geführt habe.
Rückendeckung erhielt Montella von ganz oben. Verbandspräsident İbrahim Hacıosmanoğlu bekräftigte, man werde den Weg gemeinsam weitergehen, und konterte Rücktrittsforderungen öffentlich mit der Gegenfrage: „Warum sollte ich zurücktreten?“ In den sozialen Netzwerken schlugen die Wogen daraufhin hoch.
Sieben Trainer gingen – von Schottland bis Uruguay
Das Festhalten der Türken ist eine Anomalie im internationalen Vergleich. Insgesamt sieben Nationaltrainer haben nach dem Scheitern ihrer Mannschaften bereits ihren Platz geräumt.
In Schottland endete nach sieben Jahren die Ära von Steve Clarke, der nach dem frühen Ausscheiden emotional seinen Abschied verkündete. In Südamerika räumte Uruguays 70-jährige Trainer-Ikone Marcelo Bielsa nach nur zwei Punkten seinen Posten. Auch Sebastián Becaccece, Trainer des Überraschungs-Achtelfinalisten Ecuador, der an Mexiko scheiterte, trat zurück.
Die Niederlande, die vor dem Turnier zum Favoritenkreis gezählt wurden, beendeten die Zusammenarbeit mit Ronald Koeman. Parallel dazu erklärte Tschechiens Trainer Miroslav Koubek nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase seinen Rücktritt. Bereits zuvor hatte Tunesien als erster Verband reagiert und Sabri Lamouchi noch während des Turniers durch Hervé Renard ersetzt. Auch Südkoreas Hong Myung-bo trat zurück.
Dort zog das sportliche Debakel sogar politische Konsequenzen nach sich. Südkoreas Staatspräsident Lee Jae-myung geißelte das Ausscheiden öffentlich als Folge von „Inkompetenz und Vetternwirtschaft” und ordnete eine landesweite Untersuchung zur Reform der Sportverwaltung an.