Es könnte der Abend des großen Abschieds werden. Wenn Tabellenführer Galatasaray am morgigen Samstag mit dem Ziel der 26. Meisterschaft gegen Antalyaspor antritt, steht eine ganz persönliche Zäsur bevor. Für Superstar Mauro Icardi wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit der letzte Auftritt im heimischen RAMS Park sein – und damit das finale Erklingen jenes Liedes, das zur Hymne seiner Ära wurde.
Seit vier Spielzeiten trägt der 33-jährige Argentinier das gelb-rote Trikot und prägte die jüngsten Erfolge des Vereins maßgeblich. Immer, wenn der Stürmer im RAMS Park traf, hallte die Melodie von „Aşkın Olayım” durch das Stadion – eine von den Fans längst rituell verehrte Widmung. Sollte sich die Lage nicht im allerletzten Moment drehen, wird genau dieser Song am Samstag ein letztes Mal von den Rängen schallen.
Denn trotz intensiver Bemühungen der Vereinsführung um eine Vertragsverlängerung zeichnet sich kein Happy End ab. Die Ausgangslage ist verfahren: Icardi bezieht derzeit ein Nettogehalt von kolportierten 10 Millionen Euro pro Jahr. Präsident Dursun Özbek, der sich offen für einen Verbleib des Torjägers ausspricht, treibt eine drastische Gehaltsreduzierung voran. Das Angebot der Klubführung soll sich jedoch nur noch auf etwa 5 Millionen Euro netto jährlich belaufen – eine Offerte, die Icardi laut Medienberichten abgelehnt hat. Zwar signalisierte der Angreifer grundsätzlich Bereitschaft zu finanziellen Zugeständnissen, eine Halbierung seines Salärs kommt für ihn aber offenbar nicht infrage.
Das Verhandlungsgewicht liegt dabei eindeutig aufseiten des Spielers. In der Lohnpoker-Pattsituation dient Icardi die namhafte Konkurrenz auf dem Transfermarkt als entscheidendes Faustpfand. Laut übereinstimmenden Medienberichten, darunter dem argentinischen Sender TYC Sports, steht der Mittelstürmer auf den Wunschlisten mehrerer Schwergewichte. Sowohl die italienischen Traditionsvereine AC Mailand, SSC Neapel und Juventus Turin als auch sein Jugendklub River Plate aus Buenos Aires sollen intensiv an einer Verpflichtung interessiert sein. Zudem wurde zuletzt das Interesse des türkischen Erstliga-Aufsteigers Amedspor kolportiert.
Vor diesem Hintergrund scheint eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags immer unwahrscheinlicher. Die morgige Meisterschaftspartie gegen Antalyaspor mutiert damit für den Fanliebling unfreiwillig zur emotionalen Abschiedsgala. Geplant oder nicht – es wäre der letzte Auftritt für Icardi im RAMS Park, ehe er ein neues Kapitel seiner Karriere aufschlägt.