Champions-League-Qualifikation: Fenerbahçe setzt sich gegen Sturm Graz durch und trifft nun auf Lyon

12.08.2026 – 9:16 Uhr

Fenerbahçe Istanbul hat die Tür zur Champions League einen entscheidenden Spalt weiter aufgestoßen. Nach einem 2:0-Heimerfolg und einem 1:0-Arbeitssieg im Rückspiel gegen Sturm Graz steht das Team von Trainer José Mourinho in der Play-off-Runde. Während der Brasilianer Anderson Talisca erneut als Torgarant glänzte, sorgte ein anderer Offensivstar für reichlich Diskussionsstoff.

Der Abend in Graz spiegelte die aktuelle Verfassung des türkischen Spitzenklubs wider: Das Weiterkommen wirkte trotz deutlicher spielerischer Mängel zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet, doch die Harmonie wurde durch eine spektakulär vergebene Chance empfindlich gestört. Im Mittelpunkt der Kritik stand Kerem Aktürkoğlu. Der Nationalspieler tauchte in der 24. Minute völlig frei vor dem gegnerischen Torwart auf, doch im entscheidenden Moment versagten ihm die Nerven. Anstatt den Deckel draufzumachen, scheiterte der Offensivspieler kläglich am österreichischen Schlussmann. Was daraufhin in den sozialen Netzwerken folgte, war ein Sturm der Entrüstung. Die Fangemeinde lief Sturm gegen den teuren Profi, der die Riesenchance zur frühen Vorentscheidung kläglich liegengelassen hatte.

Kaloğlu analysiert: “Instinktive Strategie” mit Schönheitsfehlern

Dass der knappe Sieg kein fußballerischer Leckerbissen war, unterstrich auch die taktische Analyse von Trainer Sinan Kaloğlu, der das Spiel für das türkische Medium Fanatik sezierte. „Wäre Fenerbahçe gezwungen gewesen, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu müssen, hätten wir ein ganz anderes Spiel gesehen. Der Instinkt, den Vorsprung zu verwalten, war dominant“, so Kaloğlu. Dies habe zu einer mangelnden Aggressivität in den Angriffsaktionen geführt. „Eine bedrohlichere Körpersprache hätte die Angelegenheit frühzeitig beenden können.”

Dennoch gab es Lichtblicke, die den knappen Erfolg ermöglichten. Der emsige Guendouzi stabilisierte den Spielaufbau, indem er sich geschickt zwischen die Innenverteidiger fallen ließ und so das aggressive 4-4-2-Pressing der Grazer ins Leere laufen ließ. Die entscheidende Figur im Angriff war jedoch einmal mehr Anderson Talisca. Der Brasilianer, der die Offensivlast nahezu im Alleingang stemmte, verwandelte einen Elfmeter eiskalt und markierte damit bereits sein viertes Tor im vierten Pflichtspiel für die Istanbuler. „Er probiert es, sucht den Abschluss und erzwingt Tore“, lobte Kaloğlu.

Gleichzeitig wies der Experte auf die eklatanten Form- und Abstimmungsprobleme im hochkarätigen Kader hin. „Kanté ist bemüht, aber von seiner Form weit entfernt. Asensio hat seine Rolle im neuen System noch nicht gefunden. Greenwood befindet sich in der Eingewöhnung. Und Kerem trifft nicht.“ Dass ein Team mit so viel Sand im Getriebe dennoch zwei Runden in der Champions-League-Qualifikation übersteht, sei wertvoll. Doch Kaloğlu warnte mit Nachdruck: „Im Play-off gegen Lyon wird man weit mehr brauchen als das.“