Es ist eine Rückkehr, die in der hitzigen Welt des türkischen Fußballs ihresgleichen sucht. Aziz Yıldırım hat sich am Samstagabend mit einem erdrutschartigen Sieg erneut die Macht beim Traditionsklub Fenerbahçe Istanbul gesichert. Der 73-Jährige gewann die außerordentliche Präsidentschaftswahl mit einem Vorsprung, der selbst seine kühnsten Anhänger überraschte.
Laut offiziellen Angaben des Vereins entfielen auf den früheren Langzeitpräsidenten 17 245 Stimmen. Sein Gegenkandidat, der Geschäftsmann Hakan Safi, musste sich mit 9.927 Stimmen geschlagen geben. Die Wahl mobilisierte die Basis in einem noch nie dagewesenen Ausmaß: Mehr als 27.000 Mitglieder gaben ihre Stimme ab – ein historischer Rekord für den Klub.
„Der Gewinner ist Fenerbahçe”, rief Yıldırım einer tobenden Menge im Stadion zu, nachdem sein Triumph feststand. „Fenerbahçe braucht Einheit und Solidarität. Wir werden nicht zulassen, dass Spaltungen diesen großartigen Verein beschädigen.“ Der Appell des alten und neuen starken Mannes wirkt wie eine Kampfansage an das von Flügelkämpfen zerrissene Vereinsumfeld.
Der Sieg markiert ein spektakuläres Comeback. Acht Jahre nach dem Ende seiner von Titeln, aber auch Skandalen geprägten Ära von 1998 bis 2018 ist Yıldırım zurück auf dem Thron. Seine vorherige Amtszeit war überschattet von einem aufsehenerregenden Korruptionsprozess im Jahr 2011, der die türkische Liga erschütterte. Yıldırım saß in diesem Zusammenhang sogar zeitweise in Haft, bevor er und weitere Funktionäre freigesprochen wurden. 2018 verlor er die Macht an den Milliardär Ali Koç. Ein erster Rückeroberungsversuch im Jahr 2024 scheiterte, doch nun gelang ihm im zweiten Anlauf der Coup.
Das Ziel für die kommende Saison ist so simpel wie monumental: Yıldırım muss die quälende 13-jährige nationale Titelflaute beenden. Der Druck ist immens, denn die neue Spielzeit fällt mit dem 120-jährigen Vereinsjubiläum zusammen. Der Präsident kündigte an, seine gesamte Energie in den Gewinn der Meisterschaft zu stecken.