Es war der Abend, an dem das Ergebnis zur Nebensache wurde. Zwar feierte der FC Bayern München im Viertelfinal-Rückspiel der UEFA Champions League gegen Real Madrid einen 4:3-Heimsieg, doch nach Abpfiff sprach die Fußballwelt nur über einen einzigen Mann: den türkischen Nationalspieler Arda Güler. Der junge Offensivakteur von Real Madrid stahl den Bayern trotz deren Einzug ins Halbfinale die Show und demontierte insbesondere den erfahrenen Torhüter Manuel Neuer gleich zweifach mit Toren der Extraklasse.
Die Partie war gerade einmal 35 Sekunden alt, als Güler einen folgenschweren Fehler in der Spieleröffnung der Münchner unterlief. Einen zu kurz geratenen Pass von Neuer auf seinen Mitspieler Josip Stanic fing Güler ab und zögerte keine Sekunde. Aus einer Distanz von rund 30 Metern zirkelte er das Leder unhaltbar ins verwaiste Tor. Mit diesem Blitztor pulverisierte Güler gleich mehrere Bestmarken: Es ist das schnellste Tor in der Champions-League-Historie von Real Madrid, das schnellste Gegentor, das der FC Bayern je in der Königsklasse kassierte, sowie der früheste Treffer der laufenden Saison in diesem Wettbewerb.
Doch der „Zauberer” hatte sein Repertoire noch nicht ausgeschöpft. In der 29. Minute legte er nach einem Freistoß in aussichtsreicher Position nach und traf sehenswert zum 2:0. Mit diesem Kunstschuss avancierte der 21-jährige Real-Profi zum jüngsten Spieler, der in einer K.-o.-Runde der Champions League per direktem Freistoß traf. Zudem löste er Mesut Özil (bisher 21 Jahre und 4 Tage) als jüngsten Freistoß-Torschützen in der Geschichte der „Königlichen” ab. Bereits im März hatte Güler mit einem Tor aus 68 Metern im Ligaspiel gegen Elche für Aufsehen gesorgt.
Neben der Wahl zum „Spieler des Spiels” und der Berufung in die „Elf der Woche” der Champions League erhielt Güler für seine Gala-Vorstellung auch weltweit Lob von höchster Stelle. Die ehemaligen Weltstars fanden dafür ungewöhnlich deutliche Worte.
Henry adelt Güler als “Weltklasse”
Arsenal-Legende Thierry Henry analysierte in seiner Rolle als TV-Experte die mentale Stärke des jungen Türken. „Er spielt nicht nur, er übernimmt Verantwortung. Das ist der Stoff, aus dem große Nächte gemacht sind“, so Henry. „Besonders der Freistoß war zweifelsfrei Weltklasse. Das unter diesem Druck gegen Bayern München zu zeigen, offenbart seinen Charakter. Er versteckt sich nicht, er dominiert das Spiel. Arda Güler ist ein Elitespieler, der meiner Meinung nach noch nicht die Anerkennung bekommt, die er verdient.“
Lahm: “Ein Moment puren Fußballwahnsinns”
Selbst beim unterlegenen Rekordmeister zeigte man sich tief beeindruckt. Die Bayern-Ikone Philipp Lahm erklärte: „Arda Güler hat immer Signale gesendet, ein besonderer Spieler zu sein. Aber das hier war jenseits von besonders. Das erste Tor war ein Moment puren Fußball-Wahnsinns. Das kann man nicht trainieren.“ Auch Liverpools Steven Gerrard kommentierte knapp und präzise: Der junge Real-Star habe „die beste halbe Stunde seiner Karriere” absolviert, wobei der zweite Treffer noch besser gewesen sei als der erste.