Arda Güler über Ancelotti, Alonso und seine Selbstkritik: “Ich habe die Szene tagelang studiert”

27.05.2026 – 11:00 Uhr

In einem bemerkenswert offenen Interview hat Real Madrids türkischer Nationalspieler Arda Güler tiefe Einblicke in sein Seelenleben, seine Karriereplanung und die Mechanismen beim spanischen Rekordmeister gewährt. Der 21-Jährige offenbarte dabei nicht nur eine zwanghafte Seite, sondern auch die Hintergründe seines Positionswechsels sowie private Gespräche mit Größen wie Florentino Pérez und José Mourinho.

Besonders aufschlussreich war Gülers Schilderung seines taktischen Wandels. Während ihn Trainer Carlo Ancelotti in Madrid stets mit den Worten „Du bist ein Mittelfeldspieler, du wirst einer der besten der Zukunft sein“ vertröstete, aber dennoch auf dem rechten Flügel einsetzte, sei ein Anruf von Xabi Alonso entscheidend gewesen. „Xabi Alonso rief mich an, bevor er hierherkam, und sagte, er würde mich absolut im zentralen Mittelfeld spielen lassen. Dieses Telefonat hat mich sehr glücklich gemacht, denn das ist genau die Rolle, die ich gesucht habe“, so Güler. Emotional definiert der Youngster seine fußballerische Identität: „Ich liebe es, auf der 10 zu spielen. Das innere Kind in mir ist eine Nummer 10 – der kleine Arda, der Alex de Souza zugeschaut hat.“

Abseits der Taktik gewährte Güler seltene Einblicke in die Kabine der Königsklasse. Die Beziehung zu Superstar Kylian Mbappé beschrieb er als intuitive Partnerschaft: „Mit manchen Spielern muss man nicht viel reden oder üben. Mbappé ist so ein besonderer Spieler. Unsere Sicht auf den Fußball ist sehr ähnlich, wir haben eine spezielle Chemie auf dem Platz, und er ist auch privat ein großartiger Mensch.“ Auch die anerkennenden Worte von Klubpräsident Pérez („Du bist einer der besten Spieler dieses Teams“) haben sich beim türkischen Star tief eingeprägt.

Für Aufsehen sorgt die Schilderung von Güler, der von einer fast manischen Perfektion spricht. „Wenn ich auf dem Platz den Ball verliere, entwickelt sich eine extreme Obsession in mir“, gestand der Offensivakteur. Als Beispiel nannte er ein Duell mit Konrad Laimer beim 2:0-Sieg gegen den FC Bayern. „Ich habe ihn geschubst, er hat mich geschubst, doch der Ball blieb vor ihm liegen. Ich habe mir diese Szene danach zwei oder drei Tage lang immer wieder angesehen und bin vor Wut verrückt geworden.“ Im Gegensatz dazu steht die kalte Präzision bei seinem legendären Freistoßtor gegen Manuel Neuer: „Es war egal, wer im Tor stand. Als es Freistoß gab, wollte ich den Ball unbedingt. Ich hatte im Spiel schon ein Tor gemacht und brannte förmlich vor Selbstvertrauen.“

Mit Blick auf die bevorstehende WM-Teilnahme 2026 – die erste der Türkei seit 24 Jahren – gab sich Güler kämpferisch. „Es wird nicht einfach, aber wir vertrauen unserer Mannschaft und unserem Trainer vollkommen. Wir wissen um die Motivation der anderen, aber unser Selbstvertrauen ist intakt.“ Was seine eigene Zukunft nach der aktiven Karriere angeht, hat der Edeltechniker klare Vorstellungen: „Ich weiß nicht, was in 20 Jahren ist, aber nach dem Fußball will ich definitiv Trainer werden.“