Eine Welle der Empörung rollt durch die türkischen sozialen Netzwerke: Der mit Spannung erwartete erste Auftritt des US-Superstars Travis Scott in der Türkei endete in einem beispiellosen Desaster. Vor der Kulisse der Tersane Istanbul erlebten Tausende Fans in der Nacht eine Mischung aus Schock, Wut und Spott. Der Grund war eine bizarre Performance, die neue Maßstäbe in puncto Künstler-Frust setzte.
1 Stunde Warten, 18 Minuten Show, 0 Interaktion
Statt zur angekündigten Zeit betrat der Interpret von „Sicko Mode“ die Bühne mit rund 60-minütiger Verspätung. Was dann folgte, war jedoch nicht die erhoffte ekstatische Show, sondern ein flüchtiger Spuk: Gerade einmal 18 bis 20 Minuten dauerte Scotts Auftritt, bevor er im grellen Scheinwerferlicht wieder verschwand. Längeren Augenkontakt mit dem Publikum vermied der Rapper konsequent, da er Accessoires trug, die sein Gesicht fast vollständig verhüllten. Von den enttäuschten Konzertbesuchern gab es dafür wütende Buhrufe, die Scott beim Verlassen des Geländes begleiteten.
Wenn 50.000 Lira zur Eintagsfliege werden
Für zusätzliche Brisanz sorgte der finanzielle Aspekt: Tickets für das exklusive Event erreichten im offiziellen Vorverkauf Spitzenpreise von umgerechnet bis zu 50.000 Türkischen Lira. Auf dem Schwarzmarkt sollen die geforderten Summen noch weit höher gewesen sein. Angesichts der Minutenshow fühlen sich zahlreiche Besucher nun geprellt und sprechen von einem eklatanten Missverhältnis zwischen Preis und Leistung.
„Fake Travis“-Theorie und digitaler Spott
Neben dem organisierten Unmut machte sich in den Kommentarspalten auch Galgenhumor breit. Weil der Musiker sein Gesicht derart kaschierte, kursiert auf Plattformen wie X und Instagram die augenzwinkernde Verschwörungstheorie, es habe sich um einen „gefaketen Travis Scott“ gehandelt – ein Double, das dem Millionenpublikum lediglich etwas vorspielte.
Bilanz eines verlorenen Abends
Letztendlich bleibt das Bild einer kalkulierten künstlerischen Haltung oder einer schlichten organisatorischen Entgleisung, durch die die türkische Fanbasis tief enttäuscht zurückgelassen wurde. Für die Veranstalter und den Künstler selbst dürften die massenhaft artikulierten Rücktrittsforderungen und der Spott im Internet ein Nachspiel haben. Die große Bühnengeste blieb in Istanbul jedenfalls unsichtbar – genau wie das Gesicht des Stars.