Im Drogenverfahren gegen Sadettin Saran, den ehemaligen Präsidenten des türkischen Spitzenklubs Fenerbahçe Istanbul, hat die Anklagebehörde eine mehrjährige Haftstrafe beantragt. Wie aus der am 11. Juli veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht, fordert die Staatsanwaltschaft für Saran wegen Drogenhandels eine Freiheitsstrafe von „nicht weniger als zehn Jahren”.
Der Sportfunktionär war Ende 2025, noch während seiner Amtszeit als Vereinspräsident, in Untersuchungshaft genommen worden. Auslöser der Razzia war eine breit angelegte Betäubungsmittel-Ermittlung, die durch die Auswertung der Telefondaten der Fernsehmoderatorin Ela Rümeysa Cebeci ins Rollen kam.
Die Ermittlungsakte enthält laut Staatsanwaltschaft belastende WhatsApp-Nachrichten zwischen Saran und Cebeci. Die Chatverläufe belegen nicht nur den Konsum von Rauschgift, sondern auch die Absicht, Betäubungsmittel zu beschaffen. Die Anklage wirft sowohl Saran als auch Cebeci vor, gemeinschaftlich mit Drogen gehandelt und diese weitergegeben zu haben. Für beide wird eine Mindeststrafe von zehn Jahren gefordert.
Das Verfahren erhält durch toxikologische Gutachten Brisanz. Ein im Jahr 2025 durchgeführter Kokain-Test an Haarproben Sarans ergab ein positives Ergebnis. In seiner Vernehmung wies der Ex-Präsident die Vorwürfe vollständig zurück. Er führte die positive Probe auf Beruhigungsmittel zurück, die er während des Wahlkampfes für das Präsidentenamt bei Fenerbahçe eingenommen habe. Saran wurde am 20. Dezember 2025 unter richterlichen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Die mitbeschuldigte Moderatorin Cebeci saß vom 17. Dezember 2025 bis zum 24. April 2026 in Untersuchungshaft. Auch bei ihr wies ein Test des Instituts für Rechtsmedizin Drogenrückstände nach. Sie händigte den Behörden ihr Mobiltelefon samt Passwort aus, räumte den eigenen Drogenkonsum ein, bestritt jedoch jeglichen Handel oder die Weitergabe von Betäubungsmitteln.
Politische Konsequenzen blieben nicht aus: Bei der Präsidentschaftswahl des Vereins im Juni trat Saran nicht erneut an. Stattdessen kehrte der langjährige frühere Klubchef Aziz Yıldırım mit einem Wahlsieg auf den Posten zurück. Für Saran kommt derweil weiterer juristischer Druck hinzu. Bereits am 4. Juni verurteilte ihn ein Istanbuler Gericht in einem separaten Verfahren wegen Anstiftung zu illegalen Wetten durch Werbung zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren.