Sänger Haluk Levent wegen Verdachts auf Geldwäsche festgenommen

13.07.2026 – 12:00 Uhr

Im Rahmen groß angelegter Ermittlungen gegen die von ihm gegründete Hilfsorganisation „Ahbap“ ist der bekannte türkische Rocksänger und Aktivist Haluk Levent am Sonntag festgenommen worden. Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 55-Jährigen Verstöße gegen das Vereinsgesetz, Geldwäsche und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. In der Affäre um zweckentfremdete Spenden, explodierte Wettverluste und verdächtige Immobiliengeschäfte klickten für 17 weitere Verdächtige zeitgleich die Handschellen.

Nach Angaben der Behörde nahmen Beamte der Abteilung für Finanzkriminalität Levent in der nordwesttürkischen Stadt Bursa fest und überstellten ihn zur Vernehmung nach Istanbul. Der Zugriff erfolgte, nachdem gegen den Sänger, dessen private Schecks geplatzt waren und der über kein eigenes Bankkonto verfügt, ein Ausreiseverbot verhängt worden war und die Ermittler konkrete Fluchtvorbereitungen registriert hatten.

Im Zentrum der monatelangen, verdeckten Ermittlungen steht der Verdacht, dass die Organisation unter dem Dach der Solidarität ein komplexes System zur Verschiebung von Geldern betrieb. Die Staatsanwaltschaft erklärte, Levent habe in großem Umfang Konten Dritter genutzt. Über ein Konto, das offiziell seiner Assistentin Yeliz Kaya gehört, aber von ihm kontrolliert worden sein soll, seien rund 120 Millionen Türkische Lira (ca. 2,2 Millionen Euro) aus der Kasse der Hilfsorganisation geflossen.

Besonders brisant: Auf einem von Levent genutzten Konto eines Mitbegründers der Organisation sollen zwischen 2020 und 2026 legale Sportwetten in schier unvorstellbarer Höhe von 990 Millionen Lira (ca. 18,4 Millionen Euro) platziert worden sein. Die Nettoverluste dieses Wettkontos belaufen sich den Ermittlern zufolge auf rund 390 Millionen Lira (ca. 7,2 Millionen Euro). Für die Fahnder ist dies ein klares Indiz dafür, dass hier Spendengelder verspielt wurden – zumal Levent aufgrund seiner prekären Finanzlage privat kaum in der Lage gewesen sein dürfte, ein derartiges Wettvolumen zu finanzieren.

Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, da sie die Hilfsbereitschaft nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe vom 6. Februar 2023 unmittelbar betreffen. Die Staatsanwaltschaft erklärte wörtlich, es gebe schwerwiegende Anzeichen dafür, „dass die Spenden sensibler Bürger, die unter dem negativen und schmerzvollen Eindruck der Katastrophe helfen wollten, von den Verdächtigen auf private Konten transferiert, für Wetten genutzt oder an Dritte weitergeleitet wurden”. Zudem sollen die Vereinskonten durch Wechselgeschäfte und Überweisungen auf Privatkonten systematisch geleert worden sein.

Das Verfahren beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Vorwurf der Untreue. In einem parallelen Ermittlungsstrang geht es um mutmaßlichen Immobilienbetrug. Demnach soll Haluk Levent unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und dem Versprechen von Spenden Immobilien von Geschädigten erworben haben. Diese Grundstücke und Häuser im Wert von geschätzten 60 Millionen US-Dollar wurden anschließend nicht auf den Namen der Organisation, sondern auf den Namen der Assistentin Kaya und weiterer Strohleute überschrieben.

Im Zuge der Razzia durchsuchte die Istanbuler Polizei zahlreiche Adressen der 17 beschuldigten Vereinsmitglieder und Mitarbeiter. Dabei stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter digitale Datenträger, Bargeld, Gold, Schecks sowie diverse relevante Dokumente. Die auf Grundlage von Berichten der türkischen Finanzermittlungsbehörde MASAK und detaillierten Kontobewegungsanalysen geführten Ermittlungen dauern an.