Der türkische Sänger und Vereinsvorsitzende Haluk Levent sieht sich schweren Betrugsvorwürfen ausgesetzt. Neue Ermittlungsdetails belasten den Musiker schwer, der während der Erdbebenkatastrophe im Februar 2023 als Helfer ins nationale Rampenlicht rückte. Im Kern der Vorwürfe steht die mutmaßliche systematische Täuschung einer in den USA lebenden Frau unter dem Vorwand einer Heirat, um an Millionenbeträge zu gelangen. Im Zuge dessen soll Levent eigens ausgegebene Kryptowährungen als Sicherheit angeboten und diese anschließend gesperrt haben.
Aus den nun veröffentlichten Chatverläufen der Hauptbelastungszeugin Sevda Kurt ergibt sich ein detailliertes Bild der Vorwürfe. Kurt, die den Angaben zufolge 2022 über einen Spendenaufruf des Ahbap-Vereins mit Levent in Kontakt kam, schildert eine jahrelange, perfide Täuschung. Ursprünglich wollte sie für eine bedürftige Familie spenden, doch dann sei sie von Levent persönlich umgarnt und unter Druck gesetzt worden. „Seine Assistentin rief ständig an und sagte: ‚Sevda, deine Schwester gibt Geld, warum nimmst du es nicht?‘“, zitiert die Ermittlungsakte aus Kurts Aussage. Diesem psychologischen Druck habe sie schließlich nachgegeben.
Die finanzielle Abwicklung entwickelte sich rasch zu einem Albtraum für die Geschädigte. Aus den Ermittlungen geht hervor, dass Levent ihr im Gegenzug für stetig wachsende Darlehen die von ihm geschaffene Kryptowährung „Nigella” (HLK/USDT) als vermeintliche Sicherheit übertrug. Der entscheidende Vorwurf lautet, dass Levent die digitalen Münzen nach Erhalt blockierte, wodurch sie wertlos wurden. Die Ermittler prüfen nun, ob Levent die Gelder nutzte, um private Verbindlichkeiten zu tilgen, anstatt sie wie vereinbart zurückzuzahlen.
Die akribisch dokumentierte Chat-Kommunikation zwischen Kurt und Levents Assistentin Yeliz Kaya offenbart ein Muster aus Hinhaltetaktiken und gebrochenen Versprechen. Kaya kündigte in einer Nachricht eine Zahlung von 400.000 bis 500.000 US-Dollar für den kommenden Freitag an und präsentierte im Anschluss einen finalen Tilgungsplan. Kurts verzweifelte Antwort: „Ich glaube Ihnen kein Wort. Seit einem Jahr kommt das Geld ‚am Freitag‘.“ Die Assistentin versuchte daraufhin, ihn zu beschwichtigen, und gelobte, dass man bei erneutem Zahlungsverzug „seinen Forderungen nachkommen” werde. Die Überweisung blieb jedoch aus. Kurts eindringliche Rückfrage in einem späteren Chat blieb unbeantwortet: „Wann werdet ihr das Geld überweisen? Wir warten …“ blieb unbeantwortet.
Besonders prekär ist der letzte massive Finanztransfer. Im Oktober 2025 soll Levent Kurt um 5 Uhr morgens angerufen haben. Er behauptete, es läge ein Haftbefehl gegen ihn vor und er werde sofort verhaftet, sollte er nicht umgehend 9,4 Millionen türkische Lira einzahlen. Aus Angst und in der Hoffnung, ihr gesamtes Geld zu retten, überwies Kurt auch diese Summe. Seit diesem Moment sei Levent für sie unerreichbar, so ihre Aussage. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 90 Millionen Lira.
Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, da sie den Verein Ahbap direkt mit einem Skandal um Spendenmittel in Verbindung bringen könnten. Die Staatsanwaltschaft untersucht bereits die Vereinsstrukturen und den Verdacht, Levent habe Ahbap in eine „kriminelle Organisation” umgewandelt. Konkret besteht der Verdacht, dass während der landesweiten Solidaritätswelle nach der Erdbebenkatastrophe eingehende Kryptowährungsspenden gar nicht in die Vereinskasse flossen, sondern von Levent mit seinen privaten Schulden verrechnet wurden. Die Ermittlungen dauern an.