Ein Musikfestival am Ufer des Munzur-Flusses wurde am Wochenende zum Schauplatz eines beachteten Gedenkens: Der Rockmusiker Haluk Levent rückte während seines Auftritts beim „Mameki Fest Gençlik“ das Schicksal der seit über sechs Jahren vermissten Studentin Gülistan Doku ins Zentrum. Vor Tausenden Besuchern entfaltete der Sänger ein großformatiges Porträt der jungen Frau und forderte unüberhörbar Aufklärung.
Die von der Tunceli Valiliği über drei Tage ausgerichtete Veranstaltung erreichte mit Levent ihren stimmungsvollen Höhepunkt, bevor der Abend eine unerwartet ernste Wendung nahm. Laut Augenzeugenberichten unterbrach der 53-Jährige sein Programm und hielt das Poster der Vermissten mit beiden Händen in die Höhe. Die Menschenmenge im Mameki-Park reagierte umgehend und brandete minutenlang kollektiv den Ruf „Gülistan Doku“ über das Festivalgelände.
In einer knappen, aber eindringlichen Ansprache solidarisierte sich Levent mit der Familie der Verschwundenen. „Als ganzes Land sind wir sensibel, was unsere Gülistan betrifft. Wir stehen an der Seite ihrer leidgeprüften Mutter“, rief der Musiker ins Publikum. Ausdrücklich dankte er in diesem Zusammenhang der zuständigen Staatsanwaltschaft für ihre Bemühungen, ohne Details zu nennen.
Gülistan Doku verschwand am 5. Januar 2020 spurlos aus ihrem Studentenwohnheim in Tunceli. Trotz jahrelanger Suchaktionen, bei denen auch der Munzur-Fluss mehrfach durchkämmt wurde, fehlt von der damals 21-Jährigen bis heute jede Spur. Die Ermittlungsbehörden gehen mittlerweile von einem Tötungsdelikt aus. Ein Kommilitone steht unter Tatverdacht, doch eine Leiche wurde nie gefunden. Der Fall gilt als einer der rätselhaftesten in der jüngeren türkischen Kriminalgeschichte und sorgt regelmäßig für Proteste von Frauenrechtsorganisationen.
Zum Abschluss des emotionalen Gedenkens stimmte Haluk Levent das Lied „Hani Benim Gençliğim Nerede” (zu Deutsch etwa: „Wo ist meine Jugend geblieben”) an, eine melancholische Hymne nach einem Text von Yusuf Hayaloğlu und einer Komposition des im Jahr 2000 verstorbenen Sängers Ahmet Kaya. Das Publikum fiel textsicher in den Refrain ein und verlieh dem Abend eine Mischung aus Protest und stiller Trauer.