„Kızılcık Şerbeti“-Star Ece İrtem stirbt im Alter von 35 Jahren

17.06.2026 – 15:00 Uhr

Der plötzliche Tod der 35-jährigen türkischen Schauspielerin Ece İrtem, die durch die Serie „Kızılcık Şerbeti“ bekannt wurde, hat eine beunruhigende Entwicklung in den Fokus gerückt: Immer mehr junge Menschen sterben an einem unerwarteten Herzstillstand. Die junge Frau erlag laut Medienberichten einem Herzinfarkt, Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Ihr Fall wirft ein Schlaglicht auf ein oft verkanntes Krankheitsbild.

Kardiologen warnen vor dem sogenannten Plötzlichen Arrhythmie-Todessyndrom (SADS). Dabei handelt es sich um einen unerwarteten Herztod ohne vorher bekannte strukturelle Herzerkrankung oder klassischen Herzinfarkt. „Im Prinzip stirbt ein zuvor gesunder Mensch völlig unerwartet, ohne dass man im Nachhinein eine eindeutige Ursache findet“, erklärt Prof. Dr. Cüneyt Koçaş. Genaue Zahlen für die Türkei liegen nicht vor, da solche Todesfälle oft pauschal als Herzinfarkt deklariert werden. Fest steht jedoch: Vor allem junge Menschen sind betroffen, da sich tödliche genetische Arrhythmien früh manifestieren können.

Die Symptome sind tückisch. Während Brustschmerz und Atemnot als klassische Alarmsignale gelten, zeigen schwedische Studien ein diffuseres Bild. Eine Studie der Universität Göteborg, in der 903 plötzliche Herztodesfälle bei 1- bis 36-Jährigen ausgewertet wurden, ergab, dass SADS 22 Prozent dieser Todesfälle ausmacht. Das Durchschnittsalter lag bei nur 23 Jahren, fast zwei Drittel der Opfer waren männlich. Bei mehr als der Hälfte der Opfer traten vor dem Tod unspezifische Beschwerden auf, darunter Herzrasen, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit, Erbrechen sowie muskelschmerz- und fieberähnliche Infektionssymptome. Ein Drittel der späteren SADS-Opfer hatte in den sechs Monaten vor dem Tod eine medizinische Einrichtung aufgesucht.

Die Studienautorin Dr. Matilda Frisk Torell betont, dass SADS selbst bei jungen Sportlern eine der häufigsten unerkannten Todesursachen ist. „Mit besserem Wissen über Vorzeichen wie Ohnmachten oder krampfartige Anfälle könnten wir gefährdete Jugendliche bei Arztbesuchen identifizieren“, so die Forscherin. Sie fordert zudem, psychiatrische Erkrankungen sowie Magen-Darm-Infekte als mögliche Auslöser ernster zu nehmen und das Screening bei Nachwuchssportlern zu intensivieren.

Hauptursache für SADS sind angeborene, genetisch bedingte Störungen des Reizleitungssystems. „Weil diese Erkrankungen vererbbar sind, muss nach einem frühen plötzlichen Todesfall in der Familie die gesamte Familie daraufhin untersucht werden“, mahnt Prof. Koçaş. Die Gefahr sei besonders heimtückisch, da die Betroffenen oft keine klassischen Herzbeschwerden haben. „In manchen Fällen gibt es Vorwarnzeichen wie Herzstolpern oder Beinahe-Ohnmachten, aber leider ist der erste und einzige Hinweis häufig der plötzliche Tod.“ Wird die Rhythmusstörung rechtzeitig entdeckt, ist sie behandelbar – durch Medikamente, Katheterablation oder implantierbare Defibrillatoren.

Unabhängig von genetischen Syndromen melden Gesundheitssysteme zudem insgesamt steigende Raten früher Herz-Kreislauf-Todesfälle. Trotz medizinischer Fortschritte und sinkender Raucherzahlen haben kardiovaskulär bedingte Frühsterblichkeiten in der Gesamtbevölkerung zuletzt den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Experten machen dafür vor allem die steigende Fettleibigkeit sowie die damit verbundene Zunahme von Bluthochdruck und Diabetes verantwortlich.