Nach einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von 70 Millionen Türkischen Lira wegen geplatzter Schecks hat der bekannte Sänger und Philanthrop Haluk Levent seinen Rückzug von der Spitze der von ihm gegründeten Hilfsorganisation „Ahbap“ angekündigt. In einer detaillierten Videoansprache legte er sämtliche Ausgaben des Vereins nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe vom 6. Februar 2023 offen und übte dabei auch Selbstkritik.
„Ich bin kein Superman, auch ich habe Fehler und Unzulänglichkeiten“, erklärte Levent in der live in den sozialen Medien übertragenen Erklärung. Er kündigte an, das Amt des Generalvorsitzenden abzugeben, sobald laufende Projekte abgeschlossen und die nächste Prüfung des Vereins erfolgreich absolviert sei. Danach wolle er sich als einfacher Freiwilliger weiterhin für Ahbap engagieren.
Sieben Prüfungen und ein rechtliches Dilemma
Mit der detaillierten Ausgabenübersicht reagierte der Vorsitzende auf anhaltende öffentliche Diskussionen und Transparenzforderungen. Er verwies darauf, dass der Verein bereits sieben Mal von den zuständigen Behörden kontrolliert worden sei: „Wir sind vielleicht der am häufigsten geprüfte Verein der Welt.“ Zugleich räumte er ein eigenes Versäumnis ein. Unmittelbar nach dem Beben habe er versprochen, alle Rechnungen zu veröffentlichen. Dies habe sich jedoch aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen (KVKK) als unzulässig herausgestellt. Die ungeschwärzten Belege mit Firmen- und Personennamen seien ausschließlich den Aufsichtsbehörden, dem Gouverneursamt Istanbul und dem Innenministerium vorgelegt worden.
„Schauplatz einer politischen Abrechnung“
Levent beklagte zudem eine politische Vereinnahmung der Hilfsbemühungen. Während sein Team in der Erdbebenregion um pragmatische Soforthilfe gerungen habe, sei die Organisation gegen ihren Willen zum „Schauplatz einer politischen Abrechnung“ gemacht worden. „Es wurden unglaublich starke Geschichten erfunden, als würde Ahbap die Verschütteten retten und der Staat tue nichts. Wir haben stets das Gegenteil betont“, stellte er klar.
Milliardenhilfe in Zahlen
Kern der Erklärung war eine minutiöse Auflistung der Mittelverwendung. Demnach spendeten Unterstützer in der Erdbebenphase insgesamt 4,36 Milliarden TL an den Verein. Davon seien 4,29 Milliarden TL noch im selben Jahr direkt in die Katastrophenhilfe geflossen.
Die Aufstellung der wichtigsten Posten umfasst:
- 224,3 Mio. TL für 17.553 Zelte
- 340 Mio. TL für 5.150 Container
- 346,7 Mio. TL für über eine Million Lebensmittelpakete.
- 43,3 Mio. TL für knapp zwei Millionen Wasserflaschen.
- 1,81 Mrd. TL für den Bau von 460 Wohneinheiten und 15 Schulen.
Als Grund für seinen angekündigten Rückzug nannte der 58-Jährige neben der öffentlichen Debatte auch massive gesundheitliche Probleme. Anhaltender Stress habe zu einer Magenblutung geführt und sein professionelles Musikschaffen blockiert. Zudem wolle er sich künftig stärker auf seine neuen Aufgaben als Goodwill-Botschafter der Vereinten Nationen für Syrien und den Libanon konzentrieren.