Nach schweren Vorwürfen wegen Mobbings und Misshandlungen am renommierten Restaurant Noma geraten dessen internationale Projekte zunehmend unter Druck. So haben mehrere Sponsoren ihre Unterstützung für eine geplante Pop-up-Veranstaltung des Hauses in den USA beendet.
Auslöser dieser Entwicklung sind Berichte über eine problematische Arbeitskultur in dem Gastronomiebetrieb, der einst als das beste Restaurant der Welt gefeiert wurde. Recherchen der „The New York Times” schildern ein Arbeitsumfeld, in dem Beschäftigte über Jahre hinweg psychischen Druck, Beschimpfungen und teilweise körperliche Übergriffe erlebt haben sollen. Die Vorwürfe richten sich insbesondere gegen den bekannten Küchenchef und Mitinhaber des Restaurants, René Redzepi.
Berichte ehemaliger Mitarbeiter
Dem Bericht zufolge berichteten zahlreiche frühere Beschäftigte von einer „toxischen Arbeitskultur“. Neben verbalen Demütigungen habe es auch Fälle körperlicher Gewalt gegeben. Unter anderem kam ein ehemaliger türkischer Praktikant zu Wort, der von seinen Erfahrungen aus der Zeit in der Küche berichtete.
Die Vorwürfe wurden wenige Tage vor Beginn eines viermonatigen Pop-up-Projekts in Los Angeles öffentlich. Für die Veranstaltung, bei der Gäste ein exklusives Menü erleben sollten, wurden Tickets zum Preis von rund 1 500 US-Dollar angeboten. Trotz des hohen Preises waren sie binnen weniger Minuten ausverkauft.
Unternehmen beenden Kooperation
Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärten zwei Sponsoren ihren Rückzug. Das Kreditkartenunternehmen American Express sowie das Gastgewerbeunternehmen Blackbird teilten mit, ihre Zusammenarbeit mit dem Projekt zu beenden.
Blackbird hatte zuvor Eintrittskarten im Gesamtwert von rund 100.000 Dollar erworben und kündigte an, betroffenen Kunden den Betrag zu erstatten. Auch American Express stellte in Aussicht, Karteninhabern bei Bedarf Rückzahlungen zu ermöglichen.
Redzepi reagiert mit Entschuldigung
Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe äußerte sich Redzepi in einer Online-Erklärung. Darin räumte er ein, dass sein früheres Verhalten möglicherweise zu den geschilderten Erfahrungen beigetragen habe. Er entschuldigte sich bei allen, die unter seinem Führungsstil, seinen Fehlentscheidungen oder seinem Temperament gelitten haben.
Zugleich erklärte der Koch, an sich zu arbeiten, unter anderem mithilfe therapeutischer Unterstützung. Sein Ziel sei es, sein Verhalten zu verändern und besser mit Wut umzugehen.