Triumph bei der Berlinale 2026: “Goldener Bär” an Ilker Çatak, “Silberner Bär” an Emin Alper

23.02.2026 – 14:00 Uhr

Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind am Samstagabend mit einer politisch aufgeladenen Preisverleihung zu Ende gegangen. Der deutsch-türkische Regisseur Ilker Çatak gewann mit seinem Drama „Sarı Mektuplar” (Yellow Letters) den diesjährigen Goldenen Bären. Der türkische Filmemacher Emin Alper nutzte die Bühne, um seine Solidarität mit Inhaftierten und unterdrückten Minderheiten zu bekunden.

Çataks preisgekrönter Film erzählt die Geschichte eines türkischen Regisseurs und seiner Ehefrau, einer Schauspielerin, deren Arbeit aufgrund ihrer politischen Ansichten verboten wurde. Jury-Präsident Wim Wenders lobte das Werk als „erschreckende Vorahnung” und „Blick in eine nahe Zukunft, die auch in unseren eigenen Ländern eintreten könnte”. Der Film spreche eine sehr klare Sprache über die politische Sprache des Totalitarismus, so Wenders.

Der Große Preis der Jury (Silberner Bär) ging an Emin Alpers Werk „Kurtuluş” (Salvation). In seiner Dankesrede richtete Alper deutliche Worte an die Adresse der türkischen Regierung und drückte seine Verbundenheit mit prominenten Inhaftierten aus. „Ihr seid nicht allein”, rief er dem seit acht Jahren inhaftierten Osman Kavala, dem seit neun Jahren inhaftierten Selahattin Demirtaş, dem inhaftierten Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu und weiteren Bürgermeistern zu. Seine Solidarität bekundete er zudem mit dem „iranischen Volk, das unter Tyrannei leidet”, den Kurden in der Region und den „Palästinensern in Gaza”. Alper betonte: „Wir sind nicht allein. Wir werden nicht allein bleiben.“

Die Preisvergabe erfolgte vor dem Hintergrund heftiger Kontroversen, die den diesjährigen Festivalverlauf prägten. Bereits zu Beginn der Berlinale war Jury-Präsident Wim Wenders für eine Äußerung zur deutschen Nahost-Politik kritisiert worden. Auf die Frage, ob er die Unterstützung Israels durch die deutsche Regierung unterstütze, antwortete er, man könne „nicht wirklich in die politische Arena einsteigen”. Diese Zurückhaltung veranlasste die preisgekrönte indische Schriftstellerin Arundhati Roy, ihren geplanten Auftritt beim Festival abzusagen. Sie bezeichnete Wenders’ Worte als „gewissenlos” und „erstaunlich”.

Zudem prangerte ein offener Brief Dutzender Filmschaffender – darunter Javier Bardem und Tilda Swinton – das Schweigen der Festivalleitung angesichts der Lage in Gaza an. Sie warfen der Festivalleitung vor, Künstler zu zensieren, die sich gegen das Vorgehen Israels stellten. Festivalleiterin Tricia Tuttle wies diese Vorwürfe in ihrer Eröffnungsrede zur Preisverleihung entschieden zurück und betonte die Bedeutung der Meinungsfreiheit: „Wir respektieren Menschen, die sprechen, denn es erfordert enormen Mut, dies zu tun.”

Neben den Hauptpreisen wurden weitere Auszeichnungen vergeben. Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller erhielt für ihre Hauptrolle in Markus Schleinzers „Rose” den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle. Der Film „Queen of the Earth“ von Lance Hammer mit Juliette Binoche in einer der Hauptrollen wurde gleich doppelt geehrt: Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay erhielten den Silbernen Bären für die beste Nebenrolle und der Film erhielt zudem den Silbernen Bären (Jurypreis).

Die Berlinale bot auch in diesem Jahr wieder eine Plattform für regimekritische Stimmen, insbesondere aus dem Iran. So verurteilte der regimekritische Regisseur Jafar Panahi bei einem Festivalauftritt das gewaltsame Vorgehen der iranischen Regierung gegen Protestierende und sprach von einem „unglaublichen Verbrechen” und einem „Massaker”.