Geschmackloser Witz mit Folgen: Türkische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Rahmi Koç

09.06.2026 – 15:00 Uhr

İzmir/Istanbul. Gegen den 95-jährigen Unternehmer und Ehrenpräsidenten der Koç Holding, Rahmi Koç, sind Ermittlungen eingeleitet worden. Hintergrund ist ein Witz über eine kurdische Frau, der als sexistisch und diskriminierend kritisiert wurde und in der Türkei für breite Empörung sorgte.

Der Vorfall ereignete sich am 5. Juni bei der Eröffnung eines Krankenhauses in der westtürkischen Provinz İzmir. Eine dort geäußerte Anekdote Koçs wurde gefilmt und verbreitete sich anschließend in sozialen Medien, wo sie schnell heftige Reaktionen auslöste.

Der Inhalt des Witzes drehte sich um ein Missverständnis zwischen einer kurdischen Frau und einem Arzt. Kritiker warfen Koç daraufhin vor, ethnische und geschlechtsspezifische Stereotype zu bedienen.

Der türkische Justizminister Akın Gürlek bestätigte die Einleitung eines Verfahrens. Es gehe um „Äußerungen, die Frauen und Bürger einer bestimmten ethnischen Identität betreffen“, so der Minister. Zugleich betonte er, dass vor dem Gesetz keine Rolle spiele, ob es sich um Vermögen, Status oder gesellschaftliche Stellung handle.

Auch Mitglieder der Regierung sowie der Opposition verurteilten die Aussagen, darunter Vizepräsident Cevdet Yılmaz und Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş. Während mehrere politische Lager die Äußerungen kritisierten, stellte sich der Vorsitzende der MHP, Devlet Bahçeli, gegen die Ermittlungen und bezeichnete die Reaktion der Justiz als überzogen.

Rahmi Koç selbst reagierte mit einer kurzen Entschuldigung. Seine Aussagen seien nicht darauf ausgelegt gewesen, eine bestimmte Gruppe zu beleidigen, erklärte er und äußerte sein Bedauern über die entstandene Kontroverse.

Parallel zu der politischen Debatte kam es zu einem Angriff auf das Unternehmen Otokoç, das zur Koç Holding gehört. Unbekannte eröffneten Berichten zufolge mit Langwaffen das Feuer auf den Firmensitz im Istanbuler Stadtteil Maltepe. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, ein möglicher Zusammenhang mit der öffentlichen Kontroverse wird geprüft.

Die Koç Holding zählt zu den größten Mischkonzernen der Türkei und ist in Bereichen wie Energie, Automobilindustrie, Finanzwesen und Konsumgüter tätig. Das Unternehmen erwirtschaftet nach eigenen Angaben einen bedeutenden Anteil des türkischen Bruttoinlandsprodukts und der Exporte.