Warum zum türkischen Kaffee immer ein Glas Wasser gehört

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31.10.2026 – 17:00 Uhr

Ein kleiner Mokka in einer feinen Tasse, dazu ein Glas Wasser und häufig auch ein Stück Lokum: Die Präsentation des türkischen Kaffees folgt seit Jahrhunderten festen Traditionen. Doch warum wird das Wasser eigentlich dazu gereicht? Dahinter steckt mehr als eine bloße Gewohnheit – es geht um Geschmack, Gastfreundschaft und eine besondere Kaffeekultur.

Eine verbreitete Erklärung lautet, dass das Wasser vor dem Kaffee getrunken werden soll. Es hilft dabei, andere Geschmackseindrücke im Mund zu neutralisieren, sodass sich das Aroma des Kaffees besser entfalten kann. Allerdings war die Reihenfolge nicht zu allen Zeiten und in allen gesellschaftlichen Kreisen gleich.

Eine Tradition aus osmanischer Zeit

Seit dem 16. Jahrhundert verbreitete sich der Kaffee im Osmanischen Reich und wurde rasch zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Kaffeehäuser entwickelten sich zu Treffpunkten, an denen Menschen miteinander plauderten, Neuigkeiten austauschten und gemeinsam Zeit verbrachten.

Auch die Art der Zubereitung und des Servierens hatte einen hohen Stellenwert. In Palästen und wohlhabenden Haushalten wurde der Kaffee aufwendig in besonderen Gefäßen und auf Tabletts serviert. Die sorgfältige Präsentation galt als Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Gästen.

Kulturhistorische Untersuchungen des Istanbuler Pera-Museums zeigen, dass Kaffee in der osmanischen Zeit häufig zusammen mit Wasser und Süßigkeiten gereicht wurde. Die Reihenfolge, in der die einzelnen Bestandteile konsumiert wurden, konnte dabei variieren. Die heutige Kombination aus Kaffee, Wasser und einer süßen Beigabe ist somit auch Ausdruck einer langen Tradition der Gastfreundschaft.

UNESCO würdigt die türkische Kaffeekultur

Die Bedeutung des türkischen Kaffees reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. 2013 nahm die UNESCO die türkische Kaffeekultur und ihre Traditionen in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Dabei würdigte die Organisation nicht nur die besondere Zubereitungs- und Kochtechnik, sondern auch die soziale Rolle des Kaffees. Er steht für Freundschaft, Gastfreundschaft und gemeinsames Beisammensein. Ob bei Familienbesuchen, Feiertagen oder traditionellen Treffen zur Brautwerbung – eine Tasse türkischer Kaffee gehört häufig dazu.

Auch das Glas Wasser lässt sich in diesem Zusammenhang als Teil einer überlieferten Servierkultur verstehen. Es wäre allerdings zu einfach, seinen Ursprung ausschließlich auf einen einzigen Grund zurückzuführen.

Wasser zuerst oder Kaffee zuerst?

Wer den türkischen Kaffee traditionell genießen möchte, trinkt das Wasser häufig zuerst. So werden andere Geschmackseindrücke im Mund reduziert und das Aroma des Kaffees kann intensiver wahrgenommen werden.

Eine verbindliche Regel gibt es jedoch nicht. Historische Quellen belegen unterschiedliche Serviergewohnheiten. So wird in den vom Pera-Museum dokumentierten Beispielen auch eine Tradition beschrieben, bei der das Wasser erst nach dem Verzehr einer Süßigkeit getrunken wurde.

Die heute verbreitete Reihenfolge ist also keineswegs für alle Epochen und Anlässe belegt. Ob jemand zuerst zum Wasserglas oder zur Kaffeetasse greift, bleibt letztlich eine Frage der persönlichen Vorliebe.

Lokum und andere süße Begleiter

Neben Wasser wird türkischer Kaffee häufig mit Lokum, Akide-Zucker oder kleinen Süßigkeiten serviert. Was genau auf dem Tablett landet, hängt von regionalen Gewohnheiten, dem Anlass und den Vorlieben des Gastgebers ab.

Der kräftige, aromatische Kaffee in der kleinen Tasse, sein Schaum und die süßen Beilagen bilden zusammen ein besonderes Geschmackserlebnis. Oft ist die Kaffeepause zugleich der Auftakt zu einem längeren Gespräch.

Türkischer Kaffee ist deshalb weit mehr als ein Getränk mit Koffein. Die Art, wie er zubereitet, serviert und gemeinsam getrunken wird, macht ihn zu einem festen Bestandteil der türkischen Alltagskultur – und das Glas Wasser gehört bis heute ganz selbstverständlich dazu.