Ein traditionelles türkisches Gebäck erlebt derzeit einen unerwarteten Boom in Ostasien. Angetrieben von einem Social-Media-Trend und der Popularität von K-Pop entwickelt sich die „Dubai-Schokolade” zu einem neu interpretierten Massenphänomen in Südkorea – mit erheblichen Folgen für die türkische Lebensmittelwirtschaft.
Im Zentrum des Hypes steht Kadayıf, ein feiner Teigfaden, der knusprig ausgebacken wird. In Südkorea hat sich die ursprüngliche „Dubai-Schokolade“, gefüllt mit Pistaziencreme und Kadayıf, zu einer eigenen Produktfamilie weiterentwickelt. Neben dem als „Dubai Chewy Cookie” bekannten Keks erfreut sich vor allem die „Dubai Pistazien-Marshmallow-Kugel” (lokal „Du-Jjonku” genannt) großer Beliebtheit.
Die virale Verbreitung dieser Süßwaren in den sozialen Medien hat die Nachfrage nach Importen aus der Türkei seit Juni des vergangenen Jahres derart in die Höhe schnellen lassen, dass türkische Hersteller mit Lieferschwierigkeiten kämpfen. Laut Daten der in Istanbul ansässigen Exporteursvereinigung İHBİR stiegen die türkischen Kadayıf-Ausfuhren im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 145 Millionen US-Dollar.
Besonders drastisch ist der Anstieg im Handel mit Südkorea. Wie aus Zahlen des südkoreanischen Ministeriums für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit hervorgeht, erhöhten sich die Importe getrockneter Lebensmittel aus der Türkei – wozu auch Kadayıf zählt – von 9.098 Tonnen im Jahr 2024 auf 10.826 Tonnen im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung fiel mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan zusammen, was die ohnehin angespannten Lieferketten zusätzlich belastete, da der Inlandsverbrauch und die Exportnachfrage zeitgleich anstiegen.
Hohe Preise, lange Verträge: Koreaner kaufen türkische Märkte leer
„Seit Mitte 2025 verzeichnen viele Produzenten Bestandsengpässe“, berichtet Nisa Özlem Şahin, Geschäftsführerin eines auf Ostasien spezialisierten Logistikunternehmens. Koreanische Einkäufer hätten den Wettbewerb durch deutlich höhere Angebote zusätzlich angeheizt. „Einige Firmen sichern sich Berichten zufolge langfristige Lieferverträge von bis zu zwei Jahren oder kaufen komplette Lagerbestände auf, um den Markt zu dominieren“, so Şahin gegenüber der türkischen Tageszeitung Hürriyet.
Mehrere südkoreanische Unternehmen seien bereits persönlich in die Türkei gereist, um direkte Geschäftsbeziehungen zu den Herstellern aufzubauen. Die Zahl der türkischen Produzenten, die aktiv nach Südkorea exportieren, ist Şahin zufolge inzwischen auf 21 gestiegen.
Die gestiegene Popularität hat auch die Preise in den Regalen Südkoreas beeinflusst. Ein „Dubai Chewy Cookie“, der ursprünglich für umgerechnet zwei bis zweieinhalb US-Dollar verkauft wurde, kostet nun zwischen 4,50 und 5,50 US-Dollar. Hauptgrund dafür sind laut Şahin die reinen Importkosten für die Schlüsselzutaten Pistazien und Kadayıf.
Dieser Trend beschränkt sich jedoch nicht nur auf Südkorea. Wie der Präsident von İHBİR, Kazım Taycı, betont, gewinnen sirupbasierte türkische Desserts wie Baklava und Kadayıf auch in den USA und Japan zunehmend an Beliebtheit. Um dem Wachstum gerecht zu werden, entsenden einige türkische Firmen Konditoren zu Schulungen ins Ausland oder holen ausländisches Personal in die Türkei, um das nötige Fachwissen für die globale Vermarktung aufzubauen.