In Deutschland haben Forschende das traditionelle türkische Milchgetränk Ayran untersucht. Grundlage ist eine Auswertung internationaler wissenschaftlicher Studien zu den gesundheitlichen Effekten des Getränks, das hierzulande vor allem als Begleiter zu Döner und Kebab bekannt ist. Die Übersicht nennt fünf Eigenschaften, die näher untersucht wurden: Einfluss auf den Elektrolythaushalt, Unterstützung nützlicher Darmbakterien, mögliche entzündungshemmende Wirkungen, Hinweise auf einen Effekt gegen DNA-Schäden und ein möglicher Zusammenhang mit Darmbakterien, die mit einem langen Leben in Verbindung gebracht werden. Da die Ergebnisse aus unterschiedlichen Studientypen stammen, sind sie jedoch nicht gleich stark belastbar.
Elektrolyte und Flüssigkeitshaushalt
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Mineralstoffhaushalt. Ayran kann nach dem Schwitzen dazu beitragen, verlorene Mineralstoffe wieder aufzunehmen. Das Getränk wird daher besonders bei warmem Wetter oder nach sportlicher Aktivität empfohlen. Laut der Auswertung enthalten 100 Gramm Ayran rund 34 Kalorien und etwa zwei Gramm Protein, jedoch keinen zugesetzten Zucker. Zudem liefert Ayran die Mineralstoffe Magnesium, Kalium, Calcium und Natrium. Die enthaltenen Elektrolyte können dabei helfen, den Flüssigkeitshaushalt des Körpers zu stabilisieren.
Fermentiertes Getränk und Darmflora
Als fermentiertes Produkt auf Joghurtbasis kann Ayran probiotische Mikroorganismen enthalten. Bei der Fermentation wandeln diese Mikroorganismen Zucker in Milchsäure um, was auch für den leicht säuerlichen Geschmack verantwortlich ist. Nach Einschätzung der Auswertung kann Ayran zur Balance der Darmmikrobiota beitragen. Ein gestörtes Gleichgewicht der Darmflora wird unter anderem mit Reizdarm, Gewichtsproblemen und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Gesicherte Aussagen über die konkrete Wirkung von Ayran beim Menschen lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.
Mögliche Effekte bei Entzündungen
Auch im Zusammenhang mit fermentierten Milchprodukten werden Entzündungsprozesse im Körper diskutiert. In einer im Jahr 2021 veröffentlichten Untersuchung wurde beobachtet, dass sich durch eine Ernährung mit fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt die Werte von 19 verschiedenen Entzündungsproteinen im Blut senken ließen. Eines dieser Proteine ist Interleukin-6, das mit Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wird. Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Milchsäurebakterien aus fermentierten Lebensmitteln sich positiv auf das Stresslevel und die Schlafqualität auswirken könnten.
Hinweise aus der Laborforschung zu DNA-Schäden
In einer russischen Laborstudie aus dem Jahr 2011 wurde untersucht, ob Ayran künstlich erzeugte, krebsassoziierte DNA-Schäden in Dickdarmzellen reparieren kann. Die Forschenden sahen Hinweise, dass Ayran in diesem Versuchsaufbau wirksam sein könnte. Zudem wurde eine höhere antioxidative Kapazität als bei Milch festgestellt. Da es sich jedoch um eine Laboruntersuchung handelt, lassen sich daraus keine direkten Rückschlüsse auf eine Schutzwirkung beim Menschen ziehen.
Darmbakterien und Langlebigkeit
Ein weiterer Punkt betrifft die Verbindung zu Darmbakterien, die mit einem langen Leben in Zusammenhang gebracht werden. In einer japanischen Studie aus dem Jahr 2021 wurde die Darmflora von über 100-jährigen Menschen untersucht. Dabei wurden besondere Bakterien gefunden, die Gallensäure produzieren und zu einem besser funktionierenden Immunsystem beitragen könnten. Die Forschenden hielten es für möglich, dass solche nützlichen Bakterien über fermentierte Lebensmittel in den Darm gelangen. Neben Joghurt, Kimchi und Sauerkraut wurde in diesem Zusammenhang auch Ayran als fermentiertes Produkt genannt.
Insgesamt stuft die Auswertung Ayran als fermentiertes Milchgetränk ein, das Teil einer ausgewogenen Ernährung sein kann. Die Effekte sind jedoch unterschiedlich gut belegt und stammen teilweise aus Labor- oder Beobachtungsstudien. Einen eindeutigen Beweis für eine eigenständige gesundheitliche Wirkung von Ayran beim Menschen liefern sie nicht.