Zwischen Tradition und TikTok: Tourismusminister Ersoy sieht kulturelle Einheit in Gefahr

15.04.2026 – 13:00 Uhr

Der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hat zu einem stärkeren Zusammenhalt der sogenannten „Türkischen Welt“ aufgerufen und zugleich vor kultureller Entfremdung durch digitale Einflüsse gewarnt.

Bei einer Veranstaltung zur Ernennung der usbekischen Stadt Andican zur „Kulturhauptstadt der türkischen Welt 2026” betonte Ersoy die Bedeutung gemeinsamer historischer und kultureller Wurzeln. Diese müssten bewahrt und aktiv vermittelt werden, insbesondere an jüngere Generationen.

Seinen Worten zufolge wird kulturelle Identität heute weniger durch offenen Zwang als vielmehr durch Inhalte aus sozialen Medien und der digitalen Unterhaltungswelt beeinflusst. Die Vielzahl der täglich konsumierten Inhalte könne zu einer schleichenden kulturellen Entfremdung führen. Es sei daher Aufgabe staatlicher Institutionen und Organisationen, diesem Trend entgegenzuwirken und ein Bewusstsein für die eigene Herkunft zu stärken.

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Organisation TÜRKSOY durchgeführt, die sich der Förderung kultureller Verbindungen innerhalb der türkischen Welt widmet.

Ersoy hob hervor, dass das Programm „Kulturhauptstadt der türkischen Welt” seit mehr als zehn Jahren den kulturellen Austausch zwischen Städten fördere und zugleich eine wichtige Rolle in der kulturellen Diplomatie spiele. Nach Stationen in mehreren Ländern ist nun die usbekische Stadt Andican an der Reihe. Die Stadt gilt als historisches Zentrum in Zentralasien und ist der Geburtsort des Herrschers und Dichters Zahirüddin Muhammed Babür.

Mit Blick auf die politische Dimension betonte der Minister, dass die Türkei eine engere Zusammenarbeit der türkischsprachigen Staaten als strategische Priorität betrachte. Unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan werde dieser Kurs konsequent verfolgt.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei AKP, Kürşad Zorlu, äußerte sich zuversichtlich hinsichtlich der Entwicklung von Andican zu einem bedeutenden Tourismuszentrum. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung gemeinsamer Projekte, etwa bei der Vereinheitlichung von Sprach- und Kommunikationsstandards innerhalb der türkischen Staaten.

Zorlu wies zudem auf die wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Usbekistan hin. Das bilaterale Handelsvolumen habe bereits die Marke von drei Milliarden US-Dollar überschritten; langfristig werde ein Ziel von fünf Milliarden Dollar angestrebt.

Für Mai ist zudem ein Gipfeltreffen der Organisation der Turkstaaten im kasachischen Turkistan geplant, bei dem Fragen der digitalen Entwicklung und Künstlichen Intelligenz im Mittelpunkt stehen sollen.